Donald Trump hat seine Drohung tatsächlich wahr gemacht: Am Donnerstag erließ er Importzölle auf Stahl und Aluminium. Es ist klar, dass sie sich vor allem gegen China richten. Zwar schlug er während der Unterzeichnungszeremonie im Weißen Haus versöhnliche Töne an. "Wir sind inmitten großer Verhandlungen", sagte der US-Präsident und sprach von "großem Respekt" vor Chinas Präsidenten Xi Jinping. Aber er betonte auch, dass das Ergebnis offen sei.

Und China? Noch bleibt die Führung demonstrativ gelassen. Zwar sprach die Regierung am Freitag von einem "schweren Angriff auf die internationale Handelsordnung". In einer Stellungnahme des chinesischen Handelsministeriums war von "wirksamen Maßnahmen" die Rede, damit Chinas seine legitimen Rechte und Interessen verteidige. Doch konkreter ist Peking bislang nicht geworden – anders als die EU-Handelskommission, die seit Monaten Gegenmaßnahmen vorbereitet.

Peking fühlt sich kaum betroffen

Von Trumps großem protektionistischen Rundumschlag fühlt sich Peking kaum getroffen. Von den insgesamt 35,6 Millionen Tonnen Stahl, welche die USA im vergangenen Jahr importiert haben, stammen gerade einmal 2,9 Prozent aus der Volksrepublik. Die mit Abstand größten Stahllieferanten in die USA sind Kanada, Brasilien und Südkorea. Deutschland rangiert mit einem Anteil von 3,7 Prozent auf Platz acht, China dagegen sogar nur auf Platz zehn. "Die verhängten Strafzölle sind für China allenfalls eine Irritation", sagt Ökonom Arthur Kroeber vom Beratungsinstitut Gavekal Dragonomics in Peking.

Trotzdem ist der weltweite Groll auf China groß – und zwar schon seit Jahren. China ist seit Jahren der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt. Allein Hebei, die umliegende Provinz von Peking, stellt mehr Stahl her als Nordamerika und Europa zusammen. Die Basis für diese riesigen Produktionskapazitäten wurde während der Weltfinanzkrise von 2008 gelegt. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung legte China mit rund 460 Milliarden Euro das weltweit größte Konjunkturpaket auf. Peking schützte so nicht nur das eigene Land vor der Krise, sondern stabilisierte die Weltwirtschaft insgesamt.

70 Prozent der Überkapazitäten aus China

Für die Stahlbranche waren die Staatshilfen jedoch zu viel des Guten. Chinas Produktion weitete sich immer weiter aus. 2016 stellte die Volksrepublik über 800 Millionen Tonnen Rohstahl her – mehr als der Rest der Welt zusammen. Rund 70 Prozent der vorhandenen Überkapazitäten gingen auf China zurück.

China überschwemmt seitdem den weltweiten Stahlmarkt – und natürlich bekommt das auch Amerikas Stahlindustrie zu spüren. Seit dem Jahr 2000 mussten in den Vereinigten Staaten zehn große Stahlwerke schließen. Rund jeder dritte Stahlarbeiter hat seinen Job in den vergangenen 20 Jahren verloren – wegen des technischen Fortschritts, aber auch, weil amerikanischer Stahl nicht mehr wettbewerbsfähig war. Allein im vergangenen Jahr haben amerikanische Stahlproduzenten nach Angaben der US-Stahlarbeitergewerkschaft USW rund 9.000 Jobs gestrichen.

Was aber tun gegen all den Billigstahl? Die EU versucht es mit Zöllen, im Jahr 2016 verhängte sie etwa auf warm gewalzten Stahl aus China Strafzölle von 36 Prozent, auf Grobbleche aus Fernost sogar 74 Prozent. Die Folge: Nun liefern andere Staaten wie Brasilien und Russland den Stahl nach Europa. Und China verschifft einen Großteil seiner Überschüsse nach Kanada, dem wichtigsten Stahllieferanten für die USA, sowie nach Südkorea. Wenn Trump nun Kanada eine Ausnahme im Zollbeschluss gewährt, landet am Ende doch chinesischer Stahl in den USA, nur über den Umweg Kanada.