Die Staatsanwaltschaft Zürich erhebt gegen drei Deutsche Anklage wegen Wirtschaftsspionage und des Verstoßes gegen das Bankgeheimnis. Ein Stuttgarter Anwalt und zwei ehemalige Mitarbeiter einer Schweizer Bank sollen illegal interne Bankunterlagen an deutsche Gerichte und Behörden weitergegeben haben. Das haben Recherchen der ZEIT, des Recherchezentrums Correctiv, des ZDF-Magazins Frontal 21 und des Schweizer Digitalmagazins Republik ergeben. 

Den Beschuldigten drohen nun Haftstrafen von mehr als drei Jahren. Sie bestreiten jedoch die Vorwürfe und verweisen darauf, dass die Unterlagen wesentlich zur Aufklärung eines der größten Steuerskandale in Deutschland beigetragen habe, dem sogenannten Cum-Ex-Skandal. Über Jahrzehnte hatten Banker, Berater und Anwälte den Staat um Steuergeld betrogen. Die ganze Dimension des Betrugs war im vergangenen Jahr bekannt geworden.

Hintergrund der jetzigen Anklage ist eine Auseinandersetzung zwischen der Bank J. Safra Sarasin und einem ihrer reichsten Kunden, dem deutschen Milliardär und Drogeriemarktunternehmer Erwin Müller. Dieser hatte über die Bank in Cum-Ex-Geschäfte investiert und ist dabei nach eigenen Angaben falsch beraten worden. Sein Anwalt Eckart Seith nahm von den beiden ehemaligen Mitarbeitern der Bank belastende Dokumente entgegen und nutzte sie für den Rechtsstreit. Im Mai 2017 verurteilte das Landgericht Ulm J. Safra Sarasin zur Zahlung von 45 Millionen Euro an Müller. Dagegen ist die Bank in Berufung gegangen.

Kurz erklärt - Wie der Cum-Ex-Steuerskandal abgelaufen ist Es ist der wohl größte Steuerskandal der deutschen Geschichte. Wie Banken und Anwälte Milliarden entwendeten, zeigen wir in diesem Video. © Foto: Kerstin Welther

Anwalt Seith gab die Dokumente aber auch an deutsche Behörden weiter. So wurden sie zu zentralen Bausteinen im deutschen Verfahren rund um die Cum-Ex-Geschäfte, durch die der Staat viele Milliarden verloren hat.

Der Fokus der Schweizer Justiz liegt auf den drei Deutschen. Das Schweizer Justizministerium hatte die Staatsanwaltschaft Zürich 2015 ermächtigt, gegen die drei wegen Wirtschaftsspionage zu ermitteln. Das könnte auch politische Konsequenzen haben. Lothar Binding, finanzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sagte: "Ich glaube, man sollte diesen Fall auch diplomatisch aufgreifen und einfach fragen, welchem Rechtsverständnis die Schweiz hier folgt. Vielleicht steckt dahinter, dass man ein Exempel statuieren will, dass man ein Beispiel geben will, wie hart man vorgeht, um möglicherweise andere abzuschrecken."

Die ganze Geschichte lesen Sie in der kommenden Ausgabe der ZEIT.