Die Deutsche Post plant einen großen Konzernumbau. Das Unternehmen gründe gerade einen neuen Gemeinschaftsbetrieb, in dem sowohl Beschäftigte der Post AG als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ausgegründeten Billig-Tochter Delivery zusammenarbeiten sollen, berichtete die Welt unter Berufung auf ein internes Schreiben. Die Zusammenlegung im neuen Betrieb solle schon zum 1. Mai umgesetzt werden.

Die Zustellung bei der Deutschen Post AG erfolgt in den Ballungsräumen überwiegend getrennt nach Briefen und Paketen. Für die 130.000 Tarifbeschäftigten bei der Deutschen Post AG gelten die Bedingungen eines Haustarifvertrags. 2015 hatte der Konzern dezentrale Töchter (DHL Delivery GmbHs) gegründet, bei denen mittlerweile rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 49 Standorten tätig sind, wie die Gewerkschaft ver.di mitteilt.

Die Delivery GmbHs sind bislang regional in der reinen Paketzustellung tätig. Manche dieser Töchter haben 50 oder noch weniger Beschäftigte, aber es gibt auch DHL Delivery GmbHs mit bis zu knapp 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Täglich werden durch die ausgegründeten Delivery-Firmen mehr als eine Million Pakete in Deutschland zugestellt.

In den Töchtern gilt nicht der Post-Tarifvertrag, sondern es werden die jeweiligen regionalen Tarife des Speditions- und Logistikgewerbes angewendet. Diese sehen geringere Löhne vor, teilweise um bis zu 25 Prozent weniger. Auch gelten hier unterschiedliche Wochenarbeitszeiten, andere Pausenzeiten und Urlaubsansprüche: Je nach Bundesland beträgt die wöchentliche Arbeitszeit zwischen 38 und 40 Stunden. Der Haustarifvertrag der Deutschen Post AG dagegen sieht 38,5 Stunden im wöchentlichen Durchschnitt vor.  

Die Post-Beschäftigten hatten 2015 mit einem zweimonatigen Streik versucht, die Gründung der Delivery GmbHs zu verhindern, waren aber gescheitert. Dafür gelang es den Gewerkschaften, in den meisten ausgegründeten Töchtern schnell Betriebsräte zu gründen. Diese entsenden wiederum Vertreter in den Konzernbetriebsrat der Deutschen Post AG. Einen gemeinsamen Gesamtbetriebsrat für alle Delivery-Firmen gibt es hingegen nicht.   

Während in den letzten Jahren auf eine strenge Trennung der Töchter und Mutter Wert gelegt wurde – so sollte verhindert werden, dass die besseren Bedingungen aus dem Post-Tarif auf die Delivery-Töchter übertragen werden könnten –, soll diese Trennung nun mit der Gründung des neuen Gemeinschaftsbetriebs überwunden werden. Trotzdem will das Management an der unterschiedlichen Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter festhalten.

ver.di fordert Abschaffung der Delivery GmbHs

Die Gewerkschaften ver.di und auch die Fachgewerkschaft  DPVKOM (Kommunikationsgewerkschaft DPV) beurteilen die Pläne kritisch. Sie befürchten, dass sich die Arbeitsbedingungen verschlechtern und der Tarifvertrag der Deutschen Post AG weiter ausgehöhlt werden könnte. Denn auch künftig würden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem neuen Gesamtbetrieb für die gleiche Arbeit verschieden bezahlt werden. Neue Anstellungen könnten hingegen nur noch so erfolgen, dass die schlechteren Arbeitsbedingungen gelten. "Wenn die Deutsche Post AG nach zwei Jahren Betriebspraxis erkennt, dass die Doppelstruktur von Regionalgesellschaften und Deutscher Post AG ein Irrweg ist, kann man dem Management nur anraten, sie ganz aufzulösen und die Beschäftigten der Regionalgesellschaften in den bestehenden Haustarif der Deutsche Post AG zu überführen", sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis. 

Unterdessen hat ver.di in den derzeit laufenden Tarifverhandlungen die organisierten Postbeschäftigten zur Abstimmung über das letzte Angebot der Deutschen Post AG für die 130.000 Tarifmitarbeiter aufgerufen. Nach Warnstreiks in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Bayern und im Saarland Ende Februar hatte der Konzern in vierter Runde ein Tarifangebot unterbreitet, das drei Prozent mehr Lohn zum 1. Oktober 2018 sowie weitere 2,1 Prozent zum 1. Oktober 2019 und Einmalzahlungen vorsieht. Die Gewerkschaft hatte sich außerdem mit einem Wahlmodell für eine Umwandlung der Entgelterhöhung in freie Zeit durchsetzen können. Noch ist der Tarifabschluss aber nicht offiziell.

Der Konzern steht wirtschaftlich gut da und hat zuletzt vom boomenden Onlinehandel profitiert. In seiner Anfang März vorgestellten Jahresbilanz verzeichnete das Unternehmen ein operatives Ergebnis von knapp 3,75 Milliarden Euro.