Der in den USA verurteilte Volkswagen-Manager Oliver Schmidt soll erneut befragt werden. Der Anwalt Michael Hausfeld erhofft sich davon nach eigenen Angaben, Auskünfte über die Rolle des früheren VW-Vorstandschefs Martin Winterkorn zu erhalten. Schmidt könne sich "nicht mehr selbst belasten", sagte Hausfeld der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Der US-amerikanische Anwalt Hausfeld vertritt mit seiner Kanzlei Kläger in Deutschland, die sich von Volkswagen betrogen fühlen und Schadensersatz für ihre manipulierten Diesel verlangen. Er hatte Schmidt bereits zuvor angehört. Damals hatte der Manager weitgehend geschwiegen. Die erneute Befragung soll Ende März oder Anfang April stattfinden.

Eine Reise in die USA würde der Anwalt Winterkorn nicht empfehlen. "Ich denke, er würde zunächst genauso behandelt wie Oliver Schmidt", so Hausfeld. Schmidt war im Januar 2017 am Flughafen Miami festgenommen worden. Im Dezember 2017 wurde er wegen seiner Verwicklung in den Abgasskandal zu sieben Jahren Haft verurteilt. Schmidt war von Februar 2012 bis März 2015 in den USA für Umweltfragen zuständig.

Ermittlungen wegen Verdacht auf Manipulation von Stickoxid-Emissionen

Hausfeld will von Schmidt weitere Informationen für seine Klage gegen den VW-Konzern haben. "Dreh- und Angelpunkt der Befragung werden Fragen dazu sein, was Oliver Schmidt dem Volkswagen-Management und was er Martin Winterkorn berichtet hat", sagt Hausfeld.

In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen Winterkorn und 38 weitere Personen. Ihnen wird die Manipulation der Stickoxid-Emissionen (NOx) von Dieselfahrzeugen vorgeworfen. Die Behörde rechnet allerdings nach eigenen Angaben nicht damit, dass der Sachverhalt schnell aufgeklärt werden kann: Ein Abschluss der NOx-Ermittlungen sei "in diesem Jahr aufgrund des außerordentlich hohen Ermittlungsumfangs nicht überragend wahrscheinlich", teilte die Staatsanwaltschaft der Wochenzeitung DIE ZEIT mit.

Die Entscheidung, ob Anklagen erhoben oder die Ermittlungen eingestellt werden, dürfte also frühestens 2019 fallen. Gegen Winterkorn wird außerdem noch des Verdachts auf Marktmanipulation ermittelt. Dabei geht es um eine im Zusammenhang mit der Dieselaffäre möglicherweise verspätet abgegebene Ad-hoc-Mitteilung.