Zudem ist klar, dass der heutige EU-Haushalt zu begrenzt ist, um neue Aufgaben zu finanzieren. Wer öffentliche Güter will, muss dafür genauso zahlen, wie wenn er private Güter im Laden kauft. Allerdings könnten bestimmte europäische Güter gemeinschaftlich effizienter und billiger bereitgestellt werden als durch nationale Regierungen. Allein bei den Waffenbeschaffungssystemen sind riesige Einsparungen möglich.

Ein größerer EU-Haushalt ist nicht automatisch eine Transferunion. Eine Transferunion ist das Gespenst des deutschen Länderfinanzausgleichs. Niemand kann nachvollziehen, wer für was verantwortlich ist. Solche kollektiven Gruppentransfers mögen mit nationaler Solidarität vereinbar sein, sie sind aber in Europa kaum akzeptabel, wie die Nettozahlerdiskussion immer wieder zeigt. Deutschland ist der größte Nettozahler in der EU, rangiert allerdings bei den Pro-Kopf-Zahlungen mit 133 Euro erst auf Platz drei hinter Frankreich und Belgien. Selbst eine Verdoppelung der Ausgaben wäre machbar. Ein echter Bezug zwischen Steuerzahlern und ihren öffentlichen Gütern würde aber erst durch eine direkte Steuer, beispielsweise eine europäische Körperschaftssteuer, hergestellt werden. Im Gegenzug ließen sich andere Steuern reduzieren. Wenn der Haushalt vom Europäischen Parlament kontrolliert wird, hätten die europäischen Bürger gemeinschaftlich die Möglichkeit, ihre Vertreter zur Rechenschaft zu ziehen, statt sich machtlos den Kompromissen des Europäischen Rats zu unterwerfen.

Solche direkte Verantwortung ist Ausdruck der europäischen Souveränität. Die Bürger sind die Besitzer Europas, nicht die Regierungen. Hinzu kommt, dass die Regierungen in einigen Mitgliedsstaaten, etwa in Osteuropa, nicht fähig sind, bürgerorientierte Politik durchzusetzen. Bürokratie und mafiöse Machtstrukturen zweckentfremden dort Steuergelder und blockieren die Interessen der Bürger im Namen der Nationalstaatlichkeit. Was bleibt da von der Souveränität der Bürger?

Europa braucht eine Regierung, die die volle Verantwortung für Europas Gemeinschaftsgüter übernimmt – aber auch nur für diese. Etliche Aufgaben, welche die Kommission in der Vergangenheit an sich gerissen hat, könnten an die Nationalstaaten zurückverwiesen werden. Aber das, was uns europäische Bürger gemeinsam betrifft, unsere res publica, gehört in die Hand einer demokratisch legitimierten Regierung.