Ein kurzer Austausch auf der Facebook-Seite von Mark Zuckerberg zeigt, wie groß der Druck für ihn sein muss, jetzt alles richtig zu machen. Der Gründer und CEO des weltgrößten Netzwerks hatte dort Stellung bezogen zu dem Missbrauch von Millionen von Nutzerdaten – nachdem britische und amerikanische Medien die Sache aufgedeckt hatten, wartete er damit noch ganze fünf Tage.

Mit seinem Beitrag wollte er die Kritik wohl erst einmal auffangen. Doch einen Großteil der Nutzer schien nicht zu beeindrucken, was der 33-Jährige am Mittwoch auf seiner Plattform veröffentlichte.

"Es ist gut, dass du etwas geschrieben hast", kommentierte der Technologiejournalist David Kirkpatrick unter Zuckerbergs Post. Aber es reiche nicht: Die Fragen von Journalisten zu beantworten, "würde helfen, den Vertrauensverlust ganz langsam wieder gutzumachen." Als Chef eines Netzwerks mit 2,2 Milliarden Menschen könne sich Zuckerberg nicht hinter einem Beitrag auf seiner Seite verstecken. Hunderte Nutzer schienen die Meinung von Kirkpatrick zu teilen. Der Kommentar zeigte Wirkung auch auf Zuckerberg selbst: "Ich werde später auf CNN auftreten", antwortete er knapp.

In die Irre geführt von Entwicklern?

Doch auch in Fernsehen hielt sich Zuckerberg merklich zurück. Das Interview mit dem Sender war im Vorfeld aufgezeichnet worden und was er zu sagen hatte, klang ähnlich wie sein Post. Erneut beteuerte der Facebook-Chef, seit der massenhafte Datenmissbrauch im Jahr 2015 geschehen sei, habe sein Unternehmen viel unternommen, um Ähnliches in Zukunft zu verhindern. Er versprach, man werde alle Anwendungen überprüfen, die vor 2014 Zugriff auf große Datenmengen gehabt hätten. Entwicklern, die einer Untersuchung im Weg stünden, werde der Zugang zum Netzwerk gesperrt. Nutzer bekämen mehr Kontrolle. Unangenehmen Fragen aber wich Zuckerberg aus. So erklärte er beispielsweise nicht, warum Facebook die betroffenen Nutzer bis heute nicht informiert hat.

Stattdessen zeichnete der Konzernchef das Bild eines Netzwerks, das von seinen Entwicklern bewusst in die Irre geführt worden sei. Ob man zu großes Vertrauen gehabt habe, dass diese die Daten regelkonform nutzen? "Ich glaube schon", sagte Zuckerberg.

Dazu passte auch, dass der Facebook-Chef die Mitverantwortung am Wahlausgang in den USA wie schon zuvor zurückwies. Die Aktivität auf seiner Plattform habe sicher einer Rolle gespielt. "Aber es sind zu viele Faktoren, um das wirklich zu wissen." Stattdessen zählte Zuckerberg die vermeintlichen Erfolge neuer Werkzeuge auf, mit denen man bei Wahlen rund um die Welt Fake Accounts und Fake News zurückgedrängt habe.

Das Geschäftsmodell ist: Daten verkaufen

Man sah dem schüchternen CEO, der bei öffentlichen Auftritten oft hölzern und wie ferngesteuert wirkt, sein Unbehagen an. Seine Kritiker waren denn auch wenig beeindruckt. Der Facebook-Gründer habe eine "voreingenomme Nacherzählung der Geschehnisse geliefert", schrieb die Technologieseite Gizmodo. Die "womöglich weltverändernden Auswirkungen" seiner Erfindung hingegen habe er umgangen. Eine Entschuldigung, den Datenmissbrauch über Jahre verschwiegen zu haben, bleibe in dem "trockenen, juristenartigen" Kommentar aus.  

Ein paar Investoren könnten durch Zuckerbergs Fernsehinterview vielleicht beruhigt worden sein, sagt Paul Armstrong, Gründer der Beraterfirma Here/Forth, die Firmen bei der Nutzung neuer Technologien berät. "Aber sein Geschäftsmodell wird das Netzwerk wohl auch in Zukunft kaum ändern. Und das basiert nun einmal darauf, die Daten von Nutzern zu verkaufen." Zwar machten es die versprochenen Änderungen künftig schwieriger, Daten so auszuschlachten, wie Cambridge Analytica das tat. "Aber Missbrauch", sagt Armstrong, "werden wir auch in Zukunft erleben". Zu wissen, was 2,4 Milliarden Nutzer denken und wofür sie sich interessieren, sei einfach zu verlockend – und zu lukrativ.

Datenmissbrauch - Wie man seine Daten auf Facebook besser schützen kann Die IT-Firma Cambridge Analytica steht im Mittelpunkt eines neuen Facebook-Skandals. Unser Video gibt drei Tipps, wie man seine Daten in dem sozialen Netzwerk besser schützen kann. © Foto: Claudia Bracholdt