Das könnte auch erklären, warum der Konzern so langsam auf den Skandal reagiert hat. Facebook sei bekannt dafür, in Momenten der Krise eher zu vernebeln, sagt Kara Swisher, Chefredakteurin der Technologieseite Recode. Schon in der Vergangenheit reagierte Zuckerberg auf Kritik von außen ausweichend, etwa, wenn es um die Rolle seines Unternehmens im Präsidentschaftswahlkampf ging, um Fake News oder das Suchtpotenzial sozialer Medien. Mal gab er gewundene Stellungnahmen ab, in denen die eigentliche Botschaft unterging, mal nutzte er die Gelegenheit gar, um in seinen Videobotschaften neue Tools zu testen. Auch jetzt sagen Kritiker: Zuckerbergs Stellungnahmen vom Mittwoch wirkten auf sie "faul". Es reiche nicht zu sagen, dass Facebook "entsetzt" sei über den Datenmissbrauch, sagt Swisher. "Ich bin entsetzt angesichts ihres Entsetzens."

Viele zweifeln mittlerweile offen daran, dass Mark Zuckerberg noch der Richtige sei, um ein derart mächtiges und verästeltes Unternehmen zu leiten. Immerhin ist der Facebook-Gründer gerade mal 33 Jahre alt. Die Jugendlichkeit aber entschuldige das Verhalten der Silicon-Valley-Gründer nicht.

Auch der Rest des Facebook-Führungsteams stand unter Druck, sich endlich zu äußern. Geschäftsführerin Sheryl Sandberg gelte als die "Erwachsene" bei Facebook, doch auch die angeblich so brilliante Managerin bleibe angesichts des Datenmissbrauchs sprachlos, kommentierte eine CNBC-Moderatorin.

Zuckerberg wird sich wohl noch häufiger unangenehmen Fragen stellen müssen. Politiker in Europa und den USA haben ihn aufgerufen, vor ihren Gremien auszusagen und zu dem Datenmissbrauch Stellung zu beziehen. Auf CNN sagte Zuckerberg, er werde vor dem Kongress aussagen, wenn es sinnvoll sei. "Wir schicken denjenigen, der am meisten über das Thema weiß, um das es geht", sagte er. "Wenn das an einem bestimmten Punkt ich bin, dann komme ich." Ihm sei klar, dass er selbst häufiger vor die Kamera treten müsse.

Dass es für das Netzwerk schwieriger sei als für andere Unternehmen, Fehltritte wieder gutzumachen, habe sich die Führungsspitze selbst zuzuschreiben, meint Robert Siegel, Partner der Wagniskapitalfirma XSeed Capital im Silicon Valley. Mark Zuckerberg und das Facebook-Team hätten sich in den vergangenen Jahren mit ihrem Geschäftsmodell wenig Freunde gemacht, vor allem in den Medien herrsche eine Grundskepsis. "Da ist es kein Wunder, dass ihnen jetzt niemand zu Hilfe eilt."