Überzeugt wirkt selbst der EU-Kommissionspräsident nicht. "Das ist eigentlich ein stupider Vorgang, dass wir dies tun müssen. Aber wir müssen es tun", sagt Jean-Claude Juncker zu den Plänen der EU, künftig Zölle auf den Import von Harley-Davidsons, Levi's Jeans und Bourbon Whiskey aus den USA zu verhängen. Der Schritt ist eine Reaktion auf die Erhöhung der Einfuhrzölle, die US-Präsident Donald Trump vergangene Woche für Stahl- und Aluminiumimporte angekündigt hat.

Am Mittwoch soll die EU-Entscheidung fallen – wenn es bis dahin eine Vorlage aus Washington gibt. Juncker findet dieses "Wie du mir, so ich dir" offenkundig primitiv. "So blöd können wir auch, so blöd müssen wir auch sein", sagt er. "Ich hätte lieber gehabt, wir hätten dies nicht tun müssen." Sein Vize Jyrki Katainen sagte dem Handelsblatt, dass der Umfang der EU-Maßnahmen so groß sein solle wie die zu erwartenden Verluste auf europäischer Seite. 

Aber sind solche Gegenmaßnahmen tatsächlich die richtige Reaktion auf Trumps protektionistische Handelspolitik? Seit Tagen warnen Politiker und Ökonomen, es gelte um jeden Preis einen Handelskrieg zu vermeiden, schließlich treffe der am Ende nicht nur Unternehmen, sondern auch Verbraucher – auf beiden Seiten. "Wir wollen keinen Handelskrieg", sagte ein Sprecher der Bundesregierung am Montag. Für Deutschland sind die USA wichtigster Handelspartner außerhalb der EU. Zölle erhöhen die Preise, können ganze Handelsströme weltweit beeinflussen. Am Ende könnte gar der Wirtschaftsboom, den viele Staaten zurzeit erleben, schneller als gedacht vorbei sein.

Womöglich wäre es also besser, gar nicht zu reagieren, um den "Dominoeffekt" zu verhindern, vor dem auch die EU-Kommission bereits gewarnt hat. Aus Sicht von Stefan Collignon, Senior Research Fellow an der London School of Economics, reagiert die EU aber genau richtig. Die Zölle seien angemessen, weil sie klar umrissen seien und kein umfassender Gegenangriff. "Sie setzen ein Signal, sind aber kein Wirtschaftskrieg", sagt Collignon. America first bedeute, die US-Wirtschaft zu schützen, auch wenn es anderen wehtue. "Das kann Europa nicht einfach so stehen lassen." 

Geplante Maßnahmen zielen auch auf Republikaner

Mit den geplanten Zöllen trifft die EU vor allem die Wahlbezirke einflussreicher republikanischer Kongressabgeordneter: Harley-Davidson hat seinen Hauptsitz in Milwaukee/Wisconsin, der Heimat von Paul Ryan, dem Sprecher des Repräsentantenhauses. Der zeigte sich zu Wochenbeginn "extrem besorgt über die Folgen eines Handelskriegs" und forderte von der US-Regierung, die Pläne nicht weiterzuverfolgen. Und Bourbon wird unter anderem in Kentucky produziert, dem Sitz des republikanischen Mehrheitsführers im Senat, Mitch McConnell. Internationale Handelspolitik funktioniert eben auch so: auf Maßnahmen mit Gegenmaßnahmen reagieren.  

Beispiele finden sich in der Vergangenheit zuhauf. Legendär ist der Bananenstreit zwischen den USA und der EU aus den Neunzigerjahren. Damals versuchte die EU, Billigbananen aus den USA mit Zöllen fernzuhalten, während Bananen aus den ehemaligen französischen Kolonien zollfrei blieben. Die USA reagierten wiederum mit Zöllen auf Nähmaschinen – und verklagten die EU am Ende vor der Welthandelsorganisation WTO. Der Bananenkrieg endete mit der Niederlage der EU: Sie musste die Einfuhrzölle radikal senken und eine millionenschwere Strafe zahlen.