Doch 2018 sieht die Lage völlig anders aus. Von der WTO ist in diesem Fall keine Hilfe zu erwarten. Die USA unterstützen die Organisation kaum noch, sie bevorzugen lieber bilaterale Handelsabkommen. "Die WTO erlebt seit Jahren einen massiven Bedeutungsverlust", sagt Rolf Langhammer, Handelsexperte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Die EU-Kommission will offiziell die geplanten Stahlzölle vor der WTO klären lassen. Das kann aber dauern. Seit Monaten blockiert die US-Regierung die Nachbesetzung von Richtern in Genf, eine Schlichtung vor der WTO würde sich wohl über Jahre hinziehen. So lange will niemand in Brüssel warten.

Zudem schafft Trump mit seiner Ankündigung flächendeckender Zölle gerade einen Präzedenzfall. Noch nie haben sich die WTO-Fachleute mit Zöllen beschäftigt, die ein Land damit begründet, dass die nationale Sicherheit gefährdet sei – so, wie es der US-Präsident jüngst gemacht hat.

Grundlage aus dem Kalten Krieg

Die Welthandelsorganisation erlaubt solche Zölle zwar in besonderen Fällen, aber bislang war es internationaler Konsens, die Begründung "nationale Sicherheit" in Friedenszeiten nicht zu wählen. Trumps Zollbeschluss stützt sich auf eine US-Regelung aus den Zeiten des Kalten Krieges. Sie wurde laut dem Peterson Institute in Washington zum letzten Mal vor 30 Jahren angewandt. Das Verfahren würde die WTO wahrscheinlich inhaltlich sogar überfordern: Eine Bewertung der nationalen Sicherheit wäre extrem kompliziert – wie soll eine internationale Organisation das beurteilen?

Und was ist, wenn die WTO in dem Fall ein Urteil trifft? Das Peterson Institute hat das einmal durchgespielt. Würde die US-Regierung verlieren, dann würde sie wohl das Urteil ignorieren – und einmal mehr eine regelbasierte Weltordnung infrage stellen. Und Trump hätte einen Anlass, die WTO zu verlassen. Würden die USA dagegen gewinnen und ein Staat könnte tatsächlich Zölle mit der Sorge um seine nationale Sicherheit begründen, würden andere Ländern wie Russland oder China nachziehen – was ebenfalls kaum jemand will.

Was also tun? Selbst Fachleute sind ratlos, zumal der US-Präsident die Zollentscheidung im Affekt getroffen haben soll. Medien berichten, Trump sei vergangene Woche wütend gewesen über die Kritik an seinem Schwiegersohn Jared Kushner und dem Rücktritt seiner Vertrauten Hope Hicks. In all dem Wirrwarr gelang es offenbar seinem Wirtschaftsberater Peter Navarro, einem überzeugten Protektionisten, Einfluss zu gewinnen.

"Die gesamte Wirtschaftspolitik der US-Regierung ist undurchdacht", sagt Ökonom Collignon, "denn letztendlich schadet sie der amerikanischen Wirtschaft, indem sie Inflation erhöht und Wettbewerbsfähigkeit verhindert. Aber die EU kann kaum etwas tun, außer gezielt politische Signale zu setzen."