In Deutschland sind im vergangenen Jahr 904,7 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt worden. Das waren knapp 4,7 Millionen Tonnen oder 0,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie das Bundesumweltministerium mitteilte, gingen zwar die CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung zurück. Im Verkehrssektor sowie in der Industrie stiegen sie hingegen an. In der Landwirtschaft stagnierten sie. Die Zahlen basieren auf einer Prognose des Umweltbundesamtes (UBA). Es handelt sich um Modellrechnungen und eine Trendfortschreibung der Berechnungen für 2016. Die vollständigen Daten werden erst im Januar 2019 veröffentlicht.

Den deutlichsten Rückgang gab es den UBA-Daten zufolge in der Energiewirtschaft: Hier sanken die Emissionen demnach um 13,7 Millionen Tonnen oder 4,1 Prozent. Das Umweltbundesamt führt diesen Rückgang darauf zurück, dass infolge der hohen Windkrafteinspeisung weniger Steinkohle zur Stromgewinnung verfeuert wurde. Steinkohlekraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt mehr als drei Gigawatt wurden im Jahresverlauf stillgelegt oder in die Netzreserve überführt, ebenso zwei Braunkohlekraftwerke. In der Netzreserve erhalten die Energiekonzerne Geld dafür, dass sie die Kraftwerke betriebsbereit halten.

Bundesamt sieht Gesamtzahl der Autos als Problem

Im Verkehrssektor stiegen die Emissionen um 3,8 Millionen Tonnen auf 170,6 Millionen Tonnen (plus 2,3 Prozent) an. Ein Grund ist laut UBA, dass im vergangenen Jahr 1,5 Prozent mehr Autos und 4 Prozent mehr Lastwagen hinzukamen. Die gute Konjunktur führe zu mehr Gütertransporten auf der Straße.  

Das Argument, dass der Anstieg daran liege, dass weniger vergleichsweise emissionsarme Dieselautos auf den Straßen unterwegs seien, lässt das UBA nicht gelten. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sagte: "Es ist falsch, dass wir nur mit dem Diesel unsere Klimaziele erreichen können." Nötig seien generell weniger und sparsamere Fahrzeuge.

In der Industrie stiegen die Emissionen aufgrund der guten Konjunktur um 2,5 Prozent auf 192,9 Millionen Tonnen. In der Landwirtschaft stagnierten die Emissionen, im Abfallsektor gingen sie um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.

Umweltministerin zieht gemischte Bilanz

Das Ministerium von Ministerin Svenja Schulze (SPD) teilte mit, es seien "zusätzliche Maßnahmen nötig, um Deutschland wieder auf Kurs in Richtung der Klimaziele zu bringen". Gegenüber 1990 habe Deutschland seine Emissionen bis zum Jahr 2017 um 27,7 Prozent gesenkt. Das einst ausgegebene Klimaziel, die Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu senken, wurde von der großen Koalition zuletzt verworfen. Es sei nicht mehr zu erreichen, hieß es im vergangenen Jahr. Auch im aktuellen Koalitionsvertrag kommt es nicht mehr vor. Stattdessen wurde ein neues Ziel ausgegeben: Bis 2030 müssten die Emissionen um mindestens 55 Prozent gesenkt werden.

Außerdem plant die Bundesregierung eine Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung". Diese soll noch in diesem Jahr ein Enddatum für den Kohleausstieg nennen und Maßnahmen bestimmen, mit denen sich Deutschland dem Klimaziel 2020 so weit wie möglich annähern kann.

Schulze sagte, die Klimabilanz zeige ein "gemischtes Bild". Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sei bereits viel erreicht worden. Für Klimaschutz und saubere Luft müsse nun eine grundlegende Verkehrswende ein Schwerpunkt dieser Legislaturperiode werden. In diesem Bereich gehe "die Entwicklung leider immer noch in die falsche Richtung", so Schulze.

"Viel versprochen, kaum etwas gehalten"

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte die Bundesregierung: Die Zahlen des Umweltbundesamtes seien "eine bittere Bilanz" der Klimapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. "Sie hat viel versprochen, gehalten hat sie kaum etwas." Das für 2020 vereinbarte Klimaziel sei nur zu erreichen, wenn Braunkohlekraftwerke "umfangreich gedrosselt und stillgelegt werden", sagte Smid. Dass die Emissionen im Verkehr seit 1990 stagnierten, sei "skandalös".

Stefan Kapferer, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), forderte, den Handel mit Emissionszertifikaten auf die Bereiche Verkehr, Landwirtschaft und Wärmemarkt auszudehnen. Dadurch müssten die dortigen Emittenten ebenfalls für ihren Klimagasausstoß zahlen.