Nachfahren wohlhabender und gebildeter Menschen haben es leichter im Leben. Selbst Urenkel haben bessere Chancen auf einen hohen sozialen Status, wenn die Vorfahren einen hohen Status hatten. Das fanden Forscher des Weltwirtschaftsinstituts in Zusammenarbeit mit der Universität Madrid heraus.

Sebastian Braun, der als Arbeitsmarktforscher am Institut für Weltwirtschaft in Kiel tätig ist, und Jan Stuhler von der Universität Madrid untersuchten Daten aus vier Generationen, die den sozialen Status von Familien in Deutschland im 20. Jahrhundert beschreiben. Die Studie wurde im Economic Journal veröffentlicht.

Das Ergebnis zeige, dass sich soziale Ungleichheit deutlich langsamer abbaue als bisher angenommen: Durchschnittlich würden 60 Prozent der für den sozialen Status einer Person maßgeblichen Faktoren von einer Generation zur nächsten weitergegeben – der soziale Status einer Person sei also entscheidend durch das Elternhaus geprägt. Zu den Faktoren, die den sozialen Status bedingen, zählten Lebensumstände, gesellschaftliche Netzwerke, aber auch Begabungen, die vererbt werden.

"Ein niedriger Status der Vorfahren wirkt wie eine Last"

"Selbst nach vier Generationen konnten wir immer noch einen Zusammenhang zwischen dem eigenen sozialen Status und dem der Vorfahren messen", schreibt Braun. "Ein niedriger Status der Vorfahren wirkt wie eine Last, die den sozialen Aufstieg auch vier Generationen später noch bremst."

Die Datenanalyse erlaube diesen Schluss unabhängig davon, ob der soziale Status über den Bildungsgrad oder über den Beruf ermittelt werde. Frühere Studien hätten nahegelegt, dass der soziale Status der Eltern eher geringen Einfluss auf Status und Einkommensperspektive ihrer Nachkommen habe, sagt Braun. "Die heute vorliegenden Daten und der Blick auf mehrere Generationen widerlegen diese Annahmen. Der soziale Aufstieg ist deutlich schwieriger als bislang vermutet."