Donald Trump macht ernst. Seit er vor mehr als einem Jahr ins Weiße Haus eingezogen ist, wird über einen möglichen Handelskrieg mit China und dem Rest der Welt diskutiert. In der vergangenen Woche kündigte der US-Präsident nun Strafzölle auf Stahl und Aluminium an.

Trump hat eine besondere Abneigung gegen aus seiner Sicht unfaire Handelsbeziehungen und eine besondere Vorliebe für Zölle. Das ist eine der wenigen Konstanten in seinem sonst recht flexiblen politischen Koordinatensystem. Schon 1987 schaltete er ganzseitige Anzeigen in drei führenden amerikanischen Tageszeitungen. Darin beklagte er, dass die USA in den Handelsbeziehungen mit Japan "abgezockt" würden. 

Die aktuelle Entscheidung steht allerdings für weit mehr als Trumps ganz persönliche Ansichten und die tatsächlichen Probleme im weltweiten Handel von Stahl oder Aluminium. Sie macht klar, wer sich in Washington durchgesetzt hat: die China-Skeptiker. Die beschlossenen Zölle sind wahrscheinlich nur der Auftakt für eine insgesamt konfrontativere Politik gegenüber Peking. Europa würde sich aus diesem Konflikt gern raushalten, wird es aber nicht können.

Wandel durch Handel?

Seit US-Präsident Nixon im Jahr 1972 damit begonnen hat, China stärker einzubinden, haben sich in den Vereinigten Staaten zwei Lager gebildet: Auf der einen Seite stehen die Optimisten, die sich von einem verstärkten Handel mit China auch einen Wandel im Land selbst versprechen. Und auf der anderen Seite die Pessimisten, die in China nur einen Rivalen und Konkurrenten sehen, den es zu bekämpfen gilt.

Die liberalen Optimisten vertraten die Ansicht, dass die Einbindung Chinas in globale Ordnungsstrukturen das Land langfristig zu einem verantwortungsbewussten Partner machen würden. Engere Zusammenarbeit mit China würde zu einer Konvergenz der Werte; eine offene Volkswirtschaft zu einer offeneren chinesischen Gesellschaft führen. Kurz gesagt: Wenn wir China in unserem Club mitspielen lassen, wird es uns ähnlicher werden.

Die China-Skeptiker sahen China dagegen von jeher als "strategischen Rivalen" (George W. Bush) oder einen "Rivalen ..., der unsere Interessen, unsere Wirtschaft und unsere Werte in den Grundfesten herausfordert" (Trump). Demnach würde wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit die Volksrepublik nicht zum vermeintlich Besseren verändern, sondern das Land nur reicher und stärker machen.

Einbindung allein funktioniert nicht

In den vergangenen Jahrzehnten schwankte die amerikanische China-Politik zwischen diesen beiden Polen. Die liberalen Optimisten hatten lange Zeit die Oberhand, allerdings war die Skepsis gegenüber Peking zu jedem Zeitpunkt groß. Sowohl Bill Clinton als auch George W. Bush warben im Wahlkampf für eine härtere Gangart gegenüber China. Nach dem Einzug ins Weiße Haus waren beide jedoch schnell zu deutlich konzilianterer Politik gegenüber der Volksrepublik bereit.

Die China-Politik von Barack Obama war lange von Annäherung und Einbindung geprägt. Angesichts eines immer aggressiveren Vorgehen Chinas im asiatisch-pazifischen Raum fand er aber zur alten US-Ordnungspolitik zurück. Die Erkenntnis: Einbindung allein funktioniert nicht, um China langfristig die Stirn zu bieten.

Unter Trump haben sich die Skeptiker nun vollends durchgesetzt. Auch weil sich die Rahmenbedingungen verändert haben: Die Regierung von Xi Jinping formuliert inzwischen klar einen regionalen und globalen Führungsanspruch. Der Westen sei mit seiner China-Politik gescheitert, konstatierte Elizabeth Economy vom Council on Foreign Relations Ende Februar auf dem 19. Stockholm China Forum in Hongkong. "Die Idee war, dass wir mit gutem Beispiel vorangehen und China dem folgen würde. Aber China folgt nicht – im Gegenteil, es bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung."