Die US-Zentralbank der USA hebt den Leitzins erstmals in diesem Jahr an. Sie erhöhte ihn um 0,25 Prozentpunkte auf die neue Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Das gab die Federal Reserve nach der ersten Sitzung unter Führung von Jerome Powell bekannt. Damit setzt sie ihre Serie von Zinserhöhungen auch unter dem neuen Chef fort.

2017 hat die Notenbank unter Powells Vorgängerin Janet Yellen die Zinsen drei Mal angehoben. Dieses Jahr soll es ähnlich weitergehen, weil es wirtschaftlich gut läuft: Die Behörde signalisierte für 2018 insgesamt drei Schritte nach oben. 

Mit der Erhöhung der Leitzinsen will die Fed ihre Geldpolitik weiter normalisieren. Die Zinsen waren in den Jahren nach der Finanzkrise extrem niedrig, um die US-Wirtschaft in Gang zu halten. Die Notenbank hatte zudem in großem Ausmaß Staatsanleihen aufgekauft. So wollte sie die Menge verfügbaren Geldes an den Finanzmärkten erhöhen.

Momentan aber geht es der Wirtschaft in den USA sehr gut, es herrscht Vollbeschäftigung. Anfang Februar stiegen die Löhne in den USA wieder, das verstärkte die Furcht vor einer Inflation. Deshalb rechneten Anleger schon länger mit steigenden Zinsen.

Trump will mehr Einfluss auf die Geldpolitik – Powell war sein Wunschkandidat fürs Amt

Viele Angestellte der Börse hatten sich eigentlich auf ein aggressiveres Vorgehen der Fed eingestellt. Mit mehr Zinserhöhungen kann die Behörde einer Überhitzung der Konjunktur entgegenwirken, die von US-Präsident Donald Trumps radikaler Steuerreform zusätzlichen Schub erhält.

Powell war Trumps Wunschkandidat für den Posten als Notenbank-Chef. Der Präsident betonte, er wolle während seiner Amtszeit der Notenbank sein eigenes Profil verpassen. Trump strebt vor allem eine Abkehr von den strengeren Regulierungen des Bankensystems an. Unter anderem die demokratische Senatorin Elizabeth Warren befürchtet, Powell würde wichtige Regulierungen zurücknehmen, die hälfen, eine weitere Finanzkrise zu verhindern.

Aber Powell setzt nun die moderate Linie seiner Vorgängerin Janet Yellen mit vorsichtigen Zinsschritten fort. Der Topdemokrat im Bankenausschuss des Senats, Sherrod Brown, nannte ihn bereits bei seiner Wahl einen "umsichtigen Entscheidungsträger".

In Europa sieht die Lage ganz anders aus. Fachleute erwarten nicht, dass die Europäische Zentralbank in einem ähnlichen Tempo wie die Fed aus der lockeren Geldpolitik aussteigt und den Leitzins erhöht. Das liegt auch daran, dass die Arbeitslosigkeit im Euroraum nur allmählich spürbar fällt, die Kreditvergabe an Unternehmen nimmt gerade erst zu. Die Inflation steigt nicht so stark wie von der EZB angestrebt.