US-Präsident Donald Trump hat auf die europäische Kritik an seinen Zollplänen mit einer Drohung reagiert: Wenn die Europäer als Antwort auf die von ihm angekündigten Importzölle auf Stahl und Aluminium nun ebenfalls ihre "schon massiven" Zölle weiter anheben würden, dann "werden wir einfach eine Steuer auf ihre Fahrzeuge erheben, die frei in unser Land strömen", schrieb er auf Twitter. Setzt Trump diese Drohung um, wären vor allem die großen deutschen Automobilunternehmen betroffen, wie auch US-Medien betonten.

Die Verkäufe der deutschen Autohersteller in den USA hatten 2017 nach Angaben des Branchenverbandes VDA in der Summe um etwa ein Prozent auf 1,35 Millionen Neuwagen zugelegt. Der damalige VDA-Chef Matthias Wissmann hatte betont, er erwarte, "dass wir unseren Marktanteil auch im Jahr 2018 weiter steigern können".

Sowohl die Washington Post als auch die New York Times titelten nach dem Tweet in ihren Onlineausgaben mit "Trump eskaliert den Handelskrieg". Trump habe schon seit Langem beklagt, dass mehr Mercedes-Autos in New York zu sehen seien als Chevrolets in Deutschland, schrieb die Washington Post. Die Attacke des Präsidenten sei größtenteils eine "direkte Drohung" gegen Deutschland. Auch einer seiner Topberater, Peter Navarro, sei der Auffassung, dass die deutschen Autobauer Marktanteile in den USA gestohlen hätten: Sie führten zwar selbst in Massen Fahrzeuge aus, aber begrenzten umgekehrt die Zahl der Autoverkäufe in ihrem eigenen Land.

Die Autoimporte machten es laut Trump unmöglich, die eigenen Autos zu verkaufen, was er als "großes Handelsungleichgewicht" bezeichnete. In einem weiteren Tweet beklagte er, die Handelsverträge, die seine Vorgänger abgeschlossen hätten, seien "sehr dämlich" gewesen. Andere Länder würden darüber lachen, was für Dummköpfe frühere US-Staatslenker gewesen seien. Er beklagte, das jährliche Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten liege bei 800 Milliarden Dollar.

Tatsächlich liegt es bei 566 Milliarden Dollar. 2017 kauften die USA zwar mehr ausländische Waren, als US-Produkte im Ausland veräußert wurden, und schufen so ein Defizit von 810 Milliarden Dollar. Der US-Statistikbehörde zufolge wurde das aber zum Teil wieder über einen Handelsüberschuss von 244 Milliarden Dollar bei Dienstleistungen – etwa im Bereich Transport und Computer sowie über Lizenzgebühren und Militärverträge – ausgeglichen.