Knapp 3,7 Millionen Menschen, die jede Woche bis zu 40 Stunden arbeiten, verdienen weniger als 2.000 Euro brutto im Monat. Das sind 17,7 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in Deutschland, wie das Arbeitsministerium auf eine Anfrage der Linken mitteilte. 

Besonders auffällig ist der Unterschied demnach zwischen Ost und West. So ist der Anteil der Beschäftigten mit einem monatlichen Gehalt von 2.000 Euro in den neuen Bundesländern mit 31,2 Prozent doppelt so hoch wie in den alten. "Es ist ein Skandal, dass insbesondere der Osten weiterhin so deutlich abgehängt ist", sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann.

Den höchsten Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit einem solchen Bruttoverdienst gibt es in Mecklenburg-Vorpommern mit 36,7 Prozent. Dahinter folgen Sachsen mit 34,3 Prozent sowie Thüringen (34,1 Prozent), Sachsen-Anhalt (33,7 Prozent) und Brandenburg (33,6 Prozent). Am niedrigsten ist der Anteil in Baden-Württemberg mit 12,4 Prozent und Hamburg mit 12,8 Prozent.

Wegen der steigenden Inflation und der steigenden Mieten komme man mit unter 2.000 Euro brutto nicht mehr weit, sagte Zimmermann. Sie forderte, die Bundesregierung müsse sich für eine weitere Angleichung der Löhne einsetzen. So müsse unter anderem der Mindestlohn von 8,84 Euro auf 12 Euro erhöht werden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte am Freitag darauf hingewiesen, dass die unabhängige Mindestlohnkommission im Sommer Vorschläge für die Anfang kommenden Jahres geplante Erhöhung vorlegen werde. Diese würden dann  umgesetzt werden.

Ein Papier der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kam vor wenigen Tagen zu dem Ergebnis, dass Mindestlohnempfänger in 19 der 20 größten deutschen Städte unter Umständen mit Hartz IV aufstocken müssen, um über die Runden zu kommen. Stefan Sell, Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften am Campus Remagen der Hochschule Koblenz und Direktor des dortigen Instituts für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM), sagte ZEIT ONLINE: "Aus meiner Sicht gäbe es gute Gründe für eine Erhöhung." Weil aber der Gesetzgeber diese nur innerhalb strenger Grenzen und nach genau festgelegten Regeln erlaube, erübrige sich die Forderung derzeit von vornherein. "Wenn man zynisch sein wollte, könnte man sagen, wir könnten uns die Debatte auch sparen."