92 Prozent der Deutschen halten die Einkommensunterschiede in ihrem Land für zu groß. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der EU-Kommission. Lediglich in Portugal halten noch mehr Bürgerinnen und Bürger die Gehaltsdifferenzen in ihrem Land für zu hoch (96 Prozent). Am niedrigsten sind die Werte in den Niederlanden (59 Prozent) und in Dänemark (63 Prozent).

Nur 41 Prozent der Deutschen stimmten der Aussage zu, dass die Menschen in Deutschland "im Großen und Ganzen das erhalten, was sie verdienen". 84 Prozent wünschen sich laut der Umfrage Maßnahmen der Bundesregierung, die Einkommensunterschiede zu reduzieren. Auch in diesem Punkt sind die Werte in den Niederlanden und in Dänemark die niedrigsten in den 28 EU-Ländern: 65 Prozent der Niederländer und nur 51 Prozent der Dänen sind der Meinung, ihre jeweilige nationale Regierung sollte Maßnahmen ergreifen, um die Lücke bei den Gehältern zu verringern.

Vergleichsweise zufrieden zeigten sich die Befragten hingegen mit der Chancengerechtigkeit. In Deutschland waren demnach 70 Prozent der Meinung, dass sie die gleichen Chancen haben, voranzukommen wie andere Bürger. In Griechenland stimmten dieser Aussage beispielsweise nur 18 Prozent zu. Dagegen lagen die Zustimmungswerte in den skandinavischen Ländern am höchsten: in Dänemark und Schweden bei 81 Prozent, in Finnland bei 80 Prozent. Allerdings glauben nur 54 Prozent der Deutschen, dass sich die Chancengleichheit im Vergleich zu vor 30 Jahren verbessert habe.

Trotz der Flüchtlingskrise sind in Deutschland vergleichsweise viele Menschen der Ansicht, dass Zuwanderung eine gute Sache ist. Dieser Aussage wurde in der Bundesrepublik von 46 Prozent der Befragten unterstützt, während der EU-Schnitt nur bei 39 Prozent lag. Die geringste Unterstützung für Zuwanderung gibt es demnach in Griechenland (10 Prozent), der Slowakei (11 Prozent) und Bulgarien (12 Prozent), die größte in Schweden (69 Prozent), Irland (68) und Luxemburg (63 Prozent).  

Für das sogenannte Eurobarometer Spezial wurden im Dezember 2017 insgesamt 28.031 Personen in den 28 EU-Mitgliedstaaten befragt. Hintergrund ist der Einsatz der EU-Kommission für mehr Fairness in der Europäischen Union. "Gerechtigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil beim Aufbau eines widerstandsfähigeren, durch Zusammenhalt geprägten Europas", sagte der zuständige EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, Tibor Navracsics. "Unsere Initiativen in diesem Bereich müssen sich auf fundierte Erkenntnisse stützen, gleichzeitig aber auch die Werte und Wahrnehmungen der Europäerinnen und Europäer berücksichtigen."

Ungleichheit - Gehöre ich zu den Armen oder den Reichen der Gesellschaft? ZEIT-Redakteur Kolja Rudzio erklärt, wie sich das Nettoeinkommen errechnet und ab wann jemand – dem sozioökonomischen Panel zufolge – zu den Reichen zählt. © Foto: Die Zeit