Es hilft alles nichts: Wir werden uns von der Vielfliegerei verabschieden müssen. Dabei bringt es nichts, zu warten, bis die Politik das Problem angeht – etwa indem sie die fossilen Brennstoffe massiv verteuert. Zwar würden starke Preiserhöhungen unsere Eigennutzenkalküle und unsere Gewohnheiten tatsächlich beeinflussen, und der Totalausstieg aus den fossilen Brennstoffen ist tatsächlich der Schlüssel zu diversen Umweltproblemen. Aber auch eine neue Politik kommt ja nicht von selbst. Wir müssten sie schon wählen, oder auf der Straße, in den Parteien und in den Medien lautstark fordern.

Eine neue Politik müsste also genau von den gleichen Menschen erkämpft werden, die bisher keine Lust haben, weniger zu fliegen. Die Frage, ob der Umweltschutz an den Verbrauchern, an bösen Tourismus-Konzernen oder am fehlenden Willen der Politiker scheitert, beschreibt deshalb ein unlösbares Henne-Ei-Problem. Und auch den ganzen Kapitalismus, der uns die Fernreise so schmackhaft macht, gäbe es ohne unsere Wahl- und Kaufentscheidungen und ohne unser bereitwilliges Mitmachen als Arbeitnehmer nicht. Wenn wir das Klima schützen wollen, müssen wir alle damit beginnen.

Die gute Nachricht aber ist: Manchmal kann bewusster Verzicht besonders glücklich machen. Ein- oder zweimal im Leben in einem Sabbatical, gerne auch auf dem Landweg, wirklich etwas von der Welt zu sehen, kann weit eindrucksvoller sein als der ganze Reisestress, den wir uns heute antun – und so viele wunderbare, auf dem Landweg erreichbare Reiseziele wie in Europa findet man kaum irgendwo auf der Welt. Erlebnisse (auch Sex) winken nicht nur in Fernost. Und mit der Völkerverständigung können wir auch ganz konkret in Europa beginnen. Wir müssen es sogar. Sonst wird schon die EU keine Zukunft haben.