Fair gehandelter Kaffee soll von der Kaffeesteuer befreit werden. Dies fordert Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). "Das wäre ein deutlicher Preisanreiz, den der Finanzminister setzen kann", sagte der CSU-Politiker der Bild am Sonntag vor allem in Richtung seines Kabinettskollegen Olaf Scholz (SPD). Ziel müsse sein, dass nur noch fairer Kaffee aus zertifiziertem Anbau getrunken wird.

Kaffee zählt in Deutschland zu den Genussmitteln, deswegen fällt er unter die Genussmittelsteuer. Bei Röstkaffee beträgt der Anteil 2,19 Euro pro Kilogramm, bei löslichem Kaffee sind 4,78 Euro pro Kilo. Da zusätzlich Mehrwertsteuer anfällt, wird Kaffee sogar doppelt besteuert.

Das Fairtrade-Siegel ist ein Sozialsiegel, das Kleinbauern einen kostendeckenden Preis für ihre Waren garantiert, auch wenn die Weltmarktpreise schwanken. Es wird seit 25 Jahren in Deutschland eingesetzt.

"Hunderttausende Kinder arbeiten für den Kaffee, den wir trinken", sagte Müller. Der Anteil von fair gehandeltem Kaffee, der ohne Kinderarbeit und Raubbau an der Natur produziert werde, liege aber erst bei 15 Prozent. Die Organisation Fairtrade Deutschland beziffert den Marktanteil für 2016 sogar auf lediglich 3,8 Prozent.

Nachhaltigkeit als "neuer Megatrend"

Bereits im September 2017 hatte die Fairtrade-Organisation in einer Petition gefordert, die Kaffeesteuer abzuschaffen: Mit einer modernen Steuerpolitik könne nachhaltiger Konsum gefördert werden. Dem Aufruf hatten sich Organisationen wie die Welthungerhilfe, das UN-Kinderhilfswerk Unicef und Kaffeehersteller wie Darboven angeschlossen.

Gerd Müller sieht in Nachhaltigkeit den "neuen Megatrend". Er gehe davon aus, dass nachhaltige Produkte, ähnlich wie Bioprodukte, in zehn Jahren Standard sind. Die westlichen Gesellschaften müssten ihren Lebensstil grundlegend ändern: "Wir dürfen unseren Wohlstand nicht länger auf Sklaven- und Kinderarbeit und der Ausbeutung der Umwelt gründen." Auch Kaffeekapseln seien "eine Verirrung der Wohlstandsgesellschaft", sagte der CSU-Politiker. Dadurch entstünden jährlich etwa 6.000 Tonnen Müll.

Bei Schokolade bestehe ebenfalls Handlungsbedarf: "Von der Tafel Schokolade bleiben nur fünf Cent auf der Kakaoplantage. Davon können die Menschen nicht leben." Jeder könne beim Einkauf Gutes tun und faire Produkte kaufen. Schokolade, die nicht aus fair gehandeltem Kakao gemacht wird, sollte in spätestens zehn Jahren ganz vom Markt verschwunden sein, sagte Müller. Beim fair gehandelten Kakao konnte 2016 der Fairtrade-Organisation zufolge bereits ein deutlicher Zuwachs um 110 Prozent auf 30.000 Tonnen verzeichnet werden.