In der Alten- und Krankenpflege sind bundesweit mindestens 36.000 Stellen nicht besetzt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die der Berliner Zeitung und der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach fehlen in der Altenpflege 15.000 Fachkräfte und 8.500 Helfer. In der Krankenpflege gab es 11.000 offene Fachkräftestellen und 1.500 unbesetzte Helferjobs. Die Regierung beruft sich bei ihren Angaben auf aktuelle Zahlen aus der Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit.

"Wir stehen in der Pflege vor einer echten Fachkräftekrise", sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt der dpa. "Die kleinteiligen Maßnahmen der großen Koalition in den letzten Jahren bleiben wirkungslos, der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte ist wie leer gefegt." Auch die von Union und SPD im Koalitionsvertrag versprochenen 8.000 zusätzlichen Stellen im Pflegebereich sind für Göring-Eckardt nicht mehr als "ein Tropfen auf dem heißen Stein". Ihre Parteikollegin, die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche, sprach in der Berliner Zeitung von einem "schlechten Witz".

Union und SPD haben sich unter anderem auf ein "Sofortprogramm Pflege" mit 8.000 neuen Fachkraftstellen und besserer Bezahlung geeinigt. Zudem ist eine "konzertierte Aktion Pflege" für einen besseren Personalschlüssel und eine Ausbildungsoffensive für Pflegerinnen und Pfleger angekündigt. Weitere Ziele sind der Abbau finanzieller Hürden bei der Pflegeausbildung und die Stärkung der ambulanten Alten- und Krankenpflege im ländlichen Raum. 

Die Zahl der 8.000 Fachkräfte hatten auch Experten schon während der Koalitionsverhandlungen Anfang des Jahres als unzureichend kritisiert. Nach Einschätzung der Diakonie Deutschland gibt es einen akuten Bedarf von 60.000 neuen Stellen in der Altenpflege.

Dabei ist der Bedarf an gut ausgebildeten Pflegekräften von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich groß. Laut Auskunft der Bundesregierung kommen in Berlin auf 100 offene Stellen in der Altenpflege 43 arbeitslose Fachkräfte, in Nordrhein-Westfalen 34, in Bayern und Thüringen dagegen nur 14 und in Rheinland-Pfalz und Sachsen nur 13. Im Bundesschnitt sind es 21. In der Krankenpflege kommen auf 100 offene Stellen in Berlin 81 arbeitslose Spezialisten, in Mecklenburg-Vorpommern 74, in Baden-Württemberg dagegen nur 29. Im Bundesschnitt sind es in diesem Bereich 41.