In Deutschland liegt die steuerliche Belastung des Arbeitseinkommens so hoch wie in kaum einem anderen Industrieland. Laut einer Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gilt das vor allem für kinderlose Alleinstehende. Im vergangenen Jahr führten diese durchschnittlich 49,7 Prozent ihres Einkommens als Steuern und Sozialabgaben an den Staat ab. Der Arbeitgeberanteil an den Sozialabgaben ist dabei mit eingerechnet. Damit stieg der Anteil im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozentpunkte.

Unter den 35 bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vertretenen Industrieländern liegt damit nur noch Belgien mit 53,7 Prozent vor Deutschland. Der OECD-Schnitt liegt bei 35,9 Prozent. In der Schweiz zahlen kinderlose Alleinstehende nur 21,8 Prozent an Einkommenssteuer und Sozialabgaben.

Ehepaare mit zwei Kindern zahlten in Deutschland im Durchschnitt 34,5 Prozent ihres Arbeitseinkommens an den Staat und die gesetzlichen Sozialversicherungen. Hier liegt die Bundesrepublik im Kreis der Industriestaaten auf dem neunten Platz – aber noch deutlich über dem OECD-Schnitt von 26,1 Prozent. Frankreich führt hier die Liste mit 39,4 Prozent an. Am wenigsten zahlen Ehepaare mit Kindern in Neuseeland (6,4 Prozent), noch vor Chile und der Schweiz.

Für Alleinerziehende mit zwei Kindern und zwei Dritteln des Durchschnittslohns liegen in Deutschland die Abzüge durch Steuern und Sozialabgaben bei 31,5 Prozent. Das ist der fünfthöchste Wert in der OECD, wo der Schnitt mit 15,3 Prozent nicht einmal halb so hoch ist. Aufgrund des hohen Anteils an Sozialabgaben seien in Deutschland vor allem die Einkommen von Geringverdienern und Alleinerziehenden im internationalen Vergleich stark belastet, teilte die OECD mit.

In vielen Ländern sind in den vergangenen Jahren nach OECD-Angaben die finanziellen Zuschüsse für Familien mit Kindern deutlich gestiegen. Davon profitierten insbesondere alleinerziehende Geringverdiener. Diese Gruppe erhalte häufig mehr Zahlungen, als an Steuern oder Sozialabgaben abgeführt werden. "Die steuerliche Begünstigung für Familien mit Kindern und insbesondere für Alleinerziehende ist ermutigend", sagte OECD-Steuerexperte Pascal Saint-Amans. "Eine Steuerpolitik, die Arbeitsanreize für Geringverdiener und Bezieher mittlerer Einkommen erhält und fördert, ist für ein inklusives Wachstum von entscheidender Bedeutung."