US-Präsident Donald Trump macht Ernst: Ab Freitag erheben die USA Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU. Trump hatte die Zölle im März verhängt: 25 Prozent auf Stahlimporte und zehn Prozent auf Aluminium. Er nahm die EU – wie auch die beiden wichtigen Handelspartner Mexiko und Kanada – jedoch vorläufig davon aus, um Raum für Verhandlungen zu geben. Seither fanden zahlreiche Gespräche statt, in denen es nicht nur um den Handel mit Stahl und Aluminium, sondern generell um den Warenverkehr zwischen den USA und Europa ging.

Die Entscheidung in Washington ist jetzt aber gefallen und damit sind die Verhandlungen der EU über eine dauerhafte Ausnahme von den Strafzöllen gescheitert. Aus Brüssel hieß es umgehend, dass Gegenmaßnahmen folgen werden. Die EU-Kommission hat bereits eine Liste mit US-Waren im Wert von 2,8 Milliarden Euro erstellt, die sie ihrerseits mit Strafzöllen belegen könnte – etwa Motorräder, Jeans und Whiskey. Doch welche Bedeutung haben die Zölle auf Stahl und Aluminium für diese Branchen hier in Europa

Für die USA ist Europa ein wichtiger Stahllieferant. Umgekehrt aber verkaufen die europäischen Stahlproduzenten den allergrößten Teil ihrer Ausfuhren, fast 60 Prozent, eben nicht in die Vereinigten Staaten, sondern in andere europäische oder amerikanische Länder. Nur 16 Prozent des exportierten Stahls gelangen in die USA. Warum hatte sich die EU dann so gegen die neuen Zölle gewehrt?

Die Branche ist immer noch ein wichtiger Arbeitgeber. Auch wenn in Europas Stahlindustrie über die vergangenen Jahrzehnte Hunderttausende Arbeitsplätze abgebaut wurden, sind weiterhin 320.000 Menschen in ihr beschäftigt. Der Umsatz liegt bei 170 Milliarden Euro im Jahr. 

Die deutschen Hersteller sind angesichts der Zölle alarmiert, weil sie besonders exportabhängig sind. Auch beschäftigt kein anderes europäisches Land so viele Mitarbeiter in der Stahlindustrie wie Deutschland. Dabei steht die Branche extrem unter Druck, das zeigen etwa die Fusionspläne des deutschen Thyssenkrupp-Konzerns. Er will sich mit dem indischen Stahlkonzern Tata Steel zusammenschließen und so – nach Arcelor Mittal – der zweitgrößte europäische Stahlhersteller werden.

Ohne Größe, keine Chance: Das ist die Logik. Sie gilt auch für die deutsche Salzgitter AG, zurzeit der drittgrößte Hersteller in Deutschland. Die neuen Zölle der USA mögen zwar nur einen kleinen Teil der Exporte treffen, aber sie setzen die Konzerne noch stärker unter Druck.

66 Prozent mehr Import in die EU

Dabei hat Donald Trump ein ganz anderes Ziel: China hat in den vergangenen Jahren enorme Produktionskapazitäten aufgebaut – und überschwemmt seitdem den Rest der Welt mit Stahl zu Dumpingpreisen. Seit 2013 sind allein in der EU die Importe insgesamt von 18 auf 30 Millionen Tonnen gestiegen. Das ist ein Zuwachs um 66 Prozent.

Dank günstiger Kredite von chinesischen Banken bieten die Produzenten ihren Stahl zu Preisen an, mit denen europäische und US-Hersteller kaum noch mithalten können. Die Sorge der europäischen Stahlproduzenten ist, dass sich China und andere Exporteure wie Russland, die Türkei oder die Ukraine wegen der Abschottung des US-Marktes andere Absatzmärkte suchen könnten – etwa die EU. Überraschend wäre das nicht, denn der Stahlmarkt in den USA funktioniert ähnlich wie der europäische. Es sind im Wesentlichen die gleichen Branchen, die den Stahl kaufen und weiterverarbeiten.

Die Regierung in Washington D.C. rechnet damit, dass die USA wegen der neuen Zölle künftig 13 Millionen Tonnen Stahl weniger aus dem Ausland einführen. Weil die EU keine Importzölle und andere Handelshemmnisse erhebt, könnte ein großer Teil dieser Mengen in Europa auf den Markt kommen und hier einen Verdrängungswettbewerb auslösen. Es wäre genau der Effekt, den die europäischen Konzerne fürchten.

Man nennt das auch Kaskadeneffekt. Er würde einen Preiskampf auslösen, wie er in der Stahlbranche bis etwa 2015 bereits stattfand. Während die Preise in den USA auf hohem Niveau verharrten, sanken die Preise der chinesischen Hersteller radikal. Im Jahr 2015 kostete eine Tonne warm gewalzter Stahl aus China knapp die Hälfte im Vergleich zum Stahl, der in den USA produziert wurde. Zwar hat sich die Preisspirale in den vergangenen Jahren wegen Anti-Dumpingmaßnahmen gegenüber China und dem Abbau von Überkapazitäten etwas gefangen. Die Preise haben sich stabilisiert. Die neuen US-Zölle könnten aber dazu führen, dass sich die Lage erneut verschärft.

Ein solcher Preiskampf hat womöglich Folgen, über die US-Präsident Trump öffentlich nicht spricht. Denn die Zölle könnten am Ende auch zu Arbeitsplatzverlusten in den USA führen; in all den Branchen, die Stahl- und Aluminiumprodukte verwenden. Ob Autos oder Bier: Diese Waren werden sich verteuern. Schon jetzt warnt der Branchenverband Beer Institute, dass der zehnprozentige Importzoll auf Aluminium die Branche jährlich etwa 350 Millionen US-Dollar kosten könnte und 20.000 Arbeitsplätze gefährde. Die amerikanische Autobranche wäre noch stärker getroffen. In ihr arbeiten mehrere Hunderttausend Beschäftigte.

Stahl und Aluminium - USA verhängen Zölle gegen die EU Trotz der Warnungen aus Europa macht die US-Regierung die Drohungen von Präsident Donald Trump wahr und belegt die EU-Staaten mit zusätzlichen Zöllen auf Stahl und Aluminium. © Foto: Julian Stratenschulte/dpa