Dieser Tage hat es Amazon getroffen. Per Twitter kritisierte US-Präsident Donald Trump den weltgrößten Onlineversandhändler. Sein Vorwurf: Der Konzern zahle "wenig oder gar keine Steuern an Bundesstaaten und Kommunen". Außerdem ruiniere die Firma den staatlichen Postdienst United States Postal Service (USPS), weil Amazon mit der Post Sonderrabatte aushandle. 

Der Onlinedienst Axios schreibt, der Präsident wolle die Steuergesetze anpassen und Amazon stärker belasten, weil Trumps "Freunde im Immobiliengeschäft sich beschweren, dass Amazon Shoppingmalls und Läden vernichtet". Der Aktienkurs brach daraufhin in dieser Woche ein und Amazon büßte zwischenzeitlich 50 Milliarden Dollar an Marktwert ein.

Die meisten Beobachter geben nicht viel auf die jüngste Twittertirade Trumps. Sie vermuten, dass dahinter eigentlich sein Unmut über die Washington Post steckt. Die Zeitung gehört inzwischen Amazon-Chef Jeff Bezos. Kurz vor Trumps Tweetattacke hatte das Blatt berichtet, wie die Geschäfte der Trump-Organisation unter den anhaltenden Problemen im Weißen Haus leiden würden. Trump wirft der Washington Post inzwischen vor, der "Lobbyist" Amazons zu sein, erst am Donnerstag wiederholte er den Vorwurf

Doch abseits der persönlichen Eitelkeiten rückt Trump mit seiner Kritik den Onlinehändler zu Recht in den Fokus. Der einflussreiche Konzern macht den US-Finanzbehörden regelmäßig Probleme. Zwar zahlte Amazon im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben Steuern in Höhe von 957 Millionen Dollar. Laut einem Bericht des Institute on Taxation and Economic Policy vermied Amazon aber dank geschickter Berechnungen die Zahlung jeglicher Bundessteuern.

Jahrelang gegen Steuern gewehrt

Komplizierter wird es, wenn es um die Steuerzahlungen auf Ebene der Bundesstaaten geht. Amazon hatte sich jahrelang aus Angst vor Wettbewerbsnachteilen gewehrt, die Mehrwertsteuer zu erheben. Der Konzern berief sich auf ein altes Gesetz, nach dem ein Händler eine physische Präsenz in einem Bundesstaat haben muss, um für die Erhebung der Mehrwertsteuer in diesem Staat verantwortlich zu sein. Weil der Händler aber anfangs nicht in allen Staaten eine Dependance unterhielt, erhob Amazon auch nicht in allen Staaten die Mehrwertsteuer – mit den Folgen, dass die Einnahmen daraus Städten und Kommunen nicht zur Verfügung standen.

Der Onlinekonzern habe sich so über Jahre einen Wettbewerbsvorteil verschafft, sagt Matthew Gardner vom Institute on Taxation and Economic Policy. "Das gehörte fest zur Gewinnmaximierungsstrategie des Konzerns." Mit einem Jahresumsatz von inzwischen knapp 178 Milliarden Dollar und Verteilungszentren und Lagern überall im Land wurde Amazon aber irgendwann zu groß, um weiter durchs Raster zu fallen. Inzwischen erhebt der Konzern in allen Bundesstaaten die Mehrwertsteuer.

Gezieltes Ausnutzen von vagen Gesetzesformulierungen

Das bedeutet aber nicht, dass der Konzern nicht weiter im großen Stil Steuern sparen will. Dabei nutzt Amazon gezielt die komplexe Steuergesetzgebung der USA aus. Die Mehrwertsteuer erhebt der Händler etwa nur auf die eigenen Verkäufe. Das Geschäft mit Drittanbietern, das immerhin rund die Hälfte aller Verkäufe ausmacht, ist in 48 der 50 Bundesstaaten von der Steuer ausgenommen. Amazon nutze die Tatsache aus, dass oft unklar sei, ob und wo ein Händler seinen tatsächlichen Sitz habe, erklärt Gardner.

Ausnahmeregelungen genießt Amazon zudem bei vielen Kommunen und Städten, die eigentlich auch Einnahmen aus Mehrwertsteuern erhalten würden. Aber Städte wie Newark in New Jersey oder Austin in Texas überbieten sich derzeit mit Steuergeschenken, um den Konzern zu sich zu locken. Der sucht schließlich derzeit in den USA einen Standort für einen zweiten Hauptsitz.