Jeder andere Chef hätte ihm wohl längst gekündigt: Scott Pruitt, Chef der Umweltbehörde Environmental Protection Agency, soll über die Ehefrau eines bekannten Lobbyisten eine Washingtoner Luxus-Wohnung für gerade einmal 50 US-Dollar die Nacht angemietet haben. Ausgewählten Mitarbeitern soll er eine Gehaltserhöhung von 30 Prozent gewährt haben. Gerne lässt er sich, so schreibt es die New York Times, sogar mit Horn und Blinklicht zum Flughafen und sogar zu einem französischen Restaurant chauffieren. Angestellte, die solche Vorlieben kritisierten, wurden kurzerhand versetzt.

Auch wenn die Kritik schön länger schwelt und selbst Stabschef John Kelly inzwischen laut Wall Street Journal auf einen Rücktritt drängt: Noch hält der Präsident am EPA-Chef fest. Pruitt mache einen "fantastischen Job", stellte Donald Trump erst kürzlich noch einmal via Twitter fest. 

Tatsächlich ist bislang wohl kaum ein anderer Behördenchef effektiver als Pruitt, wenn es darum geht, die Regulierungen der Vorgängerregierung rückgängig zu machen. Seit er im Februar vergangenen Jahres an die Spitze der Umweltbehörde berufen wurde, hat er Auflagen für die Kohleindustrie gestrichen, Sicherheitsanforderungen bei Öl- und Gasbohrungen und beim Einsatz von Pestiziden gelockert. Erst vergangene Woche gab Pruitt einen Plan der Vorgängerregierung auf, Autos effizienter zu machen und die Kraftstoffverbräuche zu senken. Gleich 22 Umweltauflagen hat er gestrichen oder plant es zumindest, rechnete die Seite Vox vor

Es ist eine Entwicklung ganz im Sinne des US-Präsidenten, der bereits im Wahlkampf tönte, den "Sumpf in Washington" auszutrocknen. Um das zu erreichen, hat Trump nicht nur in der EPA einen Kritiker der Behörde an der Spitze positioniert. Auch die Chefposten anderer Institute und Behörden, die sich um Umweltthemen, Verbraucher- und Arbeitnehmerschutz oder Bildung kümmern, hat der Präsident entweder mit unerfahrenen Außenseitern oder offenen Gegnern besetzt.

Die Führung verachte die eigenen Behörden

"Der Präsident und sein Team befinden sich auf einer Mission, Regulierungen zurückzudrehen, die Bürokratie auszuhöhlen und die Wirtschaft von ihrer vermeintlichen Last zu befreien", sagt Steffen Schmidt, Politikwissenschaftler an der Iowa State University. Trumps Führungspersonal verachtete die Behörden, die sie leiteten, so Schmidt. "Sie sind überzeugt, dass sie diese zerstören müssen, und wenn das nicht möglich ist, dann wollen sie ihnen zumindest einen Maulkorb und Handschellen anlegen."

Auch Mick Mulvaney, der seit November kommissarisch das Financial Consumer Protection Bureau leitet, ist einer der schärfsten Gegner seiner eigenen Behörde. Sie wurde nach der Finanzkrise als Gegengewicht zur Wall Street geschaffen. Sie sollte sich ursprünglich um bislang vernachlässigte Themen wie Inkassofirmen und teure Tageskredite kümmern, aber auch die Entwicklungen bei Hypotheken, Kreditkarten und Studentenkrediten beobachten. Mulvany, ehemaliger republikanischer Kongressabgeordneter, nannte schon früher die Verbraucherschutzbehörde einen "traurigen, schlechten Witz" und unterstützte einen Antrag, der sich für die völlige Abschaffung einsetzte. 

Von innen schwächen

Seine Behörde abzuschaffen, hat er zwar bislang nicht geschafft. Aber als Interimschef scheint sein Ziel zumindest zu sein, die Behörde von innen zu schwächen. Langjährige Mitarbeiter wurden von wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen, laufende Verfahren gegen umstrittene Kleinkreditgeber wurden eingestellt. Die Behörde, so Mulvaney, solle "bescheidener" und weniger aggressiv werden, wenn es darum gehe, die Verbraucher zu schützen, und bei Entscheidungen auch deren Auswirkungen auf Unternehmen berücksichtigen.