Selten hat eine Börsenpflichtmitteilung für so viel Verwirrung gesorgt. Fünf dürre Sätze hat die Volkswagen AG am Dienstag verschickt, und zwar unter der Überschrift "Mögliche Weiterentwicklung der Führungsstruktur im Volkswagen Konzern und mögliche personelle Veränderungen im Vorstand". Die kurze Mitteilung wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet.

Klar ist: Volkswagen erwägt einen Umbau der Führungsstruktur im Konzern, "der auch mit personellen Veränderungen im Vorstand und mit Änderungen bei den Ressortzuständigkeiten im Vorstand verbunden wäre". Weiter heißt es: "Dazu könnte auch eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden gehören."

Das "könnte" ist aber angeblich schon ein "wird": Wie mehrere Medien berichten, soll Konzernchef Matthias Müller abgelöst werden, sein Nachfolger soll Herbert Diess werden. Diess führt derzeit im Konzern die Kernmarke VW. Die Entscheidung könne schon am Freitag offiziell werden, werden Insider zitiert. Hingegen heißt es in der Ad-hoc-Mitteilung des Konzerns, es sei derzeit offen, ob die Pläne "zu personellen Veränderungen im Vorstand der Volkswagen Aktiengesellschaft führen werden". Die mögliche Personalie Diess wollte ein VW-Sprecher nicht kommentieren.

Wirtschaftlich erfolgreich

Doch warum soll gerade jetzt der Mann an der Spitze ausgetauscht werden? Experten wie Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen, äußern sich positiv über Müller. "Er hat einen guten Job als Vorstandsvorsitzender gemacht", sagte Dudenhöffer ZEIT ONLINE. Er zeigte sich überrascht über die VW-Mitteilung.

In der Tat steht der VW-Konzern wirtschaftlich sehr gut da: Für 2017 konnte Müller mit einem Gewinn von 11,4 Milliarden Euro eine Rekordbilanz verkünden. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch hatten den damaligen Porsche-Chef Ende September 2015 als VW-Vorstandsvorsitzenden installiert, nachdem der Abgasbetrug bei VW-Dieselautos aufgeflogen und daraufhin Vorstandschef Martin Winterkorn zurückgetreten war.

Natürlich gab es immer wieder mal Kritik an Müller, etwa als er sich im Dezember 2017 offen für eine Abschaffung des steuerlichen Dieselprivilegs aussprach. Zuletzt kritisierte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) – aufgrund der Beteiligung des Bundeslandes an VW Mitglied im Aufsichtsrat – Müller, nachdem dieser im Spiegel sein gegenüber 2016 um fast 40 Prozent gestiegenes Jahresgehalt verteidigt und die diskutierte Begrenzung von Managergehältern mit Regulierung "in Form der DDR" verglichen hatte.

Auch in der Aufarbeitung der Abgasbetrugsaffäre machte Müller nicht immer eine gute Figur. Zum Beispiel Anfang 2016, als er in den USA ein missratenes Radiointerview gab. Doch alles in allem gab es konzernintern an Müllers Aufarbeitung des Dieselskandals wenig auszusetzen.