Es hakt. Ich versuche es immer wieder, halte mein Handy an den Barcode des Sojariegels. Doch es klappt nicht. Der Riegel will und will nicht auf der App erscheinen, die ich mir extra dafür auf mein Smartphone geladen habe. Ich stehe in einem Hema-Supermarkt, der vor einigen Wochen in der Nähe des Vierten Rings im Nordosten Pekings eröffnet hat. Ich will ausprobieren, was Hema-Betreiber Alibaba mit dem Slogan "der neue Einzelhandel" in der 20-Millionen-Stadt gerade aggressiv bewirbt.

Hilfesuchend schaue ich mich nach einem der Angestellten in den hellblauen Polohemden um. Einer eilt sofort herbei, wischt mit seinem Zeigefinger ein paar Mal über mein Smartphone. Plötzlich erscheint der Riegel auf der Anzeige, mitsamt genauer Produktbeschreibung, dem Einzelpreis, dem Mengenrabatt, wenn ich zehn davon kaufe, sowie verwandten Produkten.

Ich könne, müsse den Riegel aber nicht selbst in den Einkaufswagen legen, sagt der Mitarbeiter. Den Transport nach Hause könne er für mich organisieren. Er steckt den Riegel in eine Tragetasche, die er an den Haken einer Transportschiene hängt. Sie führt über alle Gänge des Supermarktes entlang bis zum Ausgang. Wenn ich in etwa einer halben Stunde zu Hause bin, werde eine Kühlbox vor meiner Wohnungstür stehen, mitsamt aller Einkäufe, die ich bis dahin bei Hema getätigt habe, sagt der Mitarbeiter. "Das Schleppen entfällt."

Offline anschauen, online bestellen, Lieferung nach Hause – so sieht das Verkaufskonzept in den Supermärkten des chinesischen Konzerns Alibaba aus. Hema soll online und offline miteinander verzahnen. Der Supermarkt wirkt viel einladender als die sonst üblichen Supermärkte in Peking. Gleich am Eingang laden mehrere Stände zum Verweilen ein: Ein Barrista serviert frischen Espresso, der nächste Stand bietet Sahnetörtchen. Gleich daneben gibt es eine Sushi-Bar und eine Theke, an der frischer Grüner Tee aus der Provinz Yunnan gebrüht wird.

Vor allem die prächtige Präsentation der Waren unterscheidet Hema von einem herkömmlichen Supermarkt: Nirgendwo stehen unsortierte Kisten herum. Zugleich ist die Auswahl groß. An der Käsetheke finde ich Hartkäse aus dem italienischen Tessin, in der Süßwarenabteilung australische Karamelbonbons und in der Getränkeabteilung sogar deutsches Mineralwasser aus der Rhön. Beliebt ist vor allem die Frischwarenabteilung. In mehreren unterteilten Wasserbecken schwimmen Karpfen, Krebse, Krabben und Schildkröten. Die Kunden können sich ihre Exemplare selbst aussuchen. Ein Mitarbeiter wiegt die ausgesuchten Exemplare ab und versieht sie mit Barcode-Aufklebern.

Die Mitarbeiter von Hema empfehlen natürlich, auch im Supermarkt alles mit der App zu erledigen und sich die Einkäufe liefern zu lassen. Denn was die Hema-App noch kann: Das Programm merkt sich jedes von mir gescannte Produkt. Auf diese Weise lasse sich ein Profil über mein Einkaufsverhalten erstellen, erläutert mir der Mitarbeiter. Auf meiner App würden dann für mich passende Angebote angezeigt. Ich müsse dann auch gar nicht mehr selbst zum Supermarkt kommen, sondern könne künftig online bestellen.

Mehr Umsatz als eBay und Amazon

Hinter dieser Supermarkt-Offensive steckt Chinas Handelskonzern Alibaba. Er ist mit den Onlinehandelsplattformen Taobao und Tmall groß geworden. Unternehmensgründer Jack Ma hatte in seiner Einzimmerwohnung Ende der Neunzigerjahre seine erste Website programmiert. Sie sollte chinesische Firmen mit ausländischen Händlern vernetzen. Daraus sind die mittlerweile riesigen Plattformen Taobao und Tmall hervorgegangen. Heute ist der Umsatz allein auf diesen beiden Webseiten größer als der auf eBay und Amazon weltweit zusammen. Er lag im ersten Quartal 2018 bei umgerechnet fast 8,2 Milliarden Euro. Nun will Alibaba den digitalen Handel mit konventionellen Läden und personalisierten Diensten wieder zusammenführen.