Mit seinem Dienst Sesame Credit betreibt Alibaba zudem seit geraumer Zeit ein Bewertungssystem. Dabei wird nicht nur wie auf eBay die Zuverlässigkeit der Handelnden bewertet, sondern auch das allgemeine Onlineverhalten. Wer etwa zehn Stunden am Tag vor dem Rechner sitzt und Videospiele spielt, bekommt keine Punkte. Wer hingegen Biogemüse online bestellt, zeigt laut dem System Gesundheitsbewusstsein. Zur Belohnung winken verbilligte Flugreisen und andere Vergünstigungen.

Daten von 800 Millionen Kunden

Zwar ist niemand zur Teilnahme an Sesame Credit verpflichtet. Alibaba hat nach eigenen Angaben dennoch bereits die Daten von fast 800 Millionen Kunden gesammelt. Nun plant auch Chinas Regierung mit dem "Social Credit System" ein landesweit verpflichtendes Bewertungssystem der Bürger. Es wird in Pilotregionen bereits ausprobiert – Vorbild ist Sesame Credit von Alibaba. Zusammen mit den öffentlichen Kameras und der Gesichtserkennung will der Staat so ein System zur möglichst totalen Kontrolle der Bürger installieren.

Bislang ist zwar nicht nachgewiesen, dass Alibaba unmittelbar mit der chinesischen Führung kooperiert. Allerdings ist jedes Unternehmen in China dazu verpflichtet, mit der Regierung zusammenzuarbeiten. Passiert das nicht, so hat die herrschende Kommunistische Partei die Möglichkeit, jeder Firma erheblich zu schaden. Selbst Apple musste schon klein beigeben und hat sich verpflichtet, Daten herauszurücken. Alibaba hat also keine andere Wahl.

Der Marketingchef wiegelt ab

Wie also hält es Alibaba mit dem Datenschutz? Während der Pressevorführung in Shanghai fragt eine westliche Journalistin Chris Tung danach. Für den Marketingmann Tung scheint dieser Begriff ein Fremdwort zu sein: Er verstehe die Frage nicht, sagt er. Sie hakt nach. "Privatsphäre? Ach so, ja klar", antwortet er, "westliche Journalisten suchen bei neuen Technologien immer erst nach dem Haar in der Suppe." Natürlich würde Alibaba die Daten nur im Sinne der Kunden verwenden – das verstehe sich doch von selbst.