Auskunfteien wie die Schufa berechnen die Kreditwürdigkeit von Millionen Menschen. Ganz freihändig dürfen sie das nicht tun: Das Gesetz verlangt, dass sie ihre Prüfverfahren den Datenschutzbehörden vorlegen. Doch die behördliche Kontrolle geschieht offenbar vor allem auf Grundlage von Gutachten, die von den Auskunfteien selbst in Auftrag gegeben und bezahlt werden. Das haben Recherchen des Bayerische Rundfunks (BR) ergeben.

Datenschützer kritisierten das Verfahren, schreibt der BR. Unter ihnen sei auch der ehemalige Datenschutzbeauftragte Schleswig-Holsteins, Thilo Weichert. "Diese Gutachten sollen unabhängig sein, werden aber von den Auskunfteien bezahlt. Natürlich sehe ich da einen Interessenskonflikt", sagte Weichert dem Sender. Ein weiteres Manko sei, dass die Scoring-Verfahren nicht einheitlich daraufhin geprüft würden, ob sie Variablen wie Alter, Geschlecht oder Wohnort diskriminierend berücksichtigten.

Den Recherchen zufolge legten auch andere Auskunfteien, beispielsweise Crif Bürgel, Creditreform oder Infoscore, den Behörden Gutachten vor, die sie selbst in Auftrag gegeben hätten – und die Gutachter prüften lediglich, ob die von den Auskunfteien genutzten Kriterien tatsächlich eine Aussage über die Kreditwürdigkeit einer Person erlaubten. "Mehr fordert das Gesetz nicht", schreibt der BR im Internetauftritt der Tagesschau. Das würde bedeuten, dass etwa die Art der Datenerhebung oder die von den Auskunfteien genutzten Quellen nicht kontrolliert werden.

Hessischer Datenschutzbeauftragter: Verfahren unproblematisch

Nicht alle Behörden teilen allerdings die Kritik des Ex-Datenschutzbeauftragten Weichert. Die Behörde des hessischen Datenschutzbeauftragten etwa hält das Verfahren dem BR zufolge für unproblematisch. Im Zweifel habe die Behörde die Möglichkeit, eigene Gutachten zu bestellen und zu bezahlen. Das sei aber noch nie nötig gewesen.

Die Datenschutzbehörde in Nordrhein-Westfalen hingegen fordert dem Bericht zufolge, Scoring-Verfahren durch unabhängige Stellen überprüfen zu lassen. Für eigene Gutachten fehlten die finanziellen Mittel. Auch der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar fordere eine Art "Algorithmus-TÜV".

Für die Recherchen befragte der BR nach eigener Darstellung nicht nur die Datenschutzbeauftragten, sondern auch die Auskunfteien. Die Schufa habe allerdings "bei jeder Antwort untersagt, daraus zu zitieren". Nur ein sehr langes und unverständliches – und deshalb in dieser Form für die Berichterstattung nicht brauchbares – Zitat sei schließlich freigegeben worden.

Initiative Open Schufa für mehr Transparenz

Auskunfteien wie die Schufa stehen schon seit Längerem in der Kritik. Denn wie die Schufa die Bonität von Personen ermittelt, ist ihr Geschäftsgeheimnis. Die Intransparenz lässt den Verbraucherinnen und Verbrauchern kaum Möglichkeiten, ihre Bewertung nachzuvollziehen. Die Initiative OpenSchufa hat sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern, indem sie möglichst viele Schufa-Auskünfte sammelt und die Daten anschließend auswertet.

Anfang des Monats wurde zudem bekannt, dass es im vergangenen Jahr einige Beschwerden gegen die Schufa gegeben hat. Berichten zufolge soll sie die Kreditwürdigkeit mehrere Personen "fälschlich negativ bewertet" haben, zum Schaden der Betroffenen.