Brauer dürfen nicht mit dem Titel "bekömmlich" für Bier werben. Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Damit wurde in letzter Instanz ein seit Jahren anhaltender Streit geklärt. Der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) aus Berlin hatte 2015 eine einstweilige Verfügung gegen die Leutkircher Brauerei erwirkt und die Werbung mit dem Begriff untersagt. Die dagegen gerichtete Revision von Brauereichef Gottfried Härle blieb nun auch vor dem BGH erfolglos.

Brauereien dürfen für ihre Biere demnach mit einer Vielzahl von Eigenschaften wie etwa "süffig", "herzhaft" oder "würzig" werben, nicht aber mit dem Begriff "bekömmlich". Der Begriff sei eine gesundheitsbezogene Angabe, die nach EU-Recht für alkoholische Getränke nicht erlaubt sei, urteilte der BGH. Angelehnt an eine EU-Lebensmittelverordnung betreffe dies konkret Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Prozent, entschied der Bundesgerichtshof in seinem Urteil.

Formel des Urgroßvaters

Während der mündlichen Verhandlung in Karlsruhe verwies der Anwalt des Bierbrauers zuvor darauf, dass der Begriff "bekömmlich" in der deutschen Bierkultur verankert sei. Brauereichef Härle sagte: "Schon mein Urgroßvater hat seine Biere als bekömmlich bezeichnet." Und, so betonte er: "Bier in Maßen genossen, ist durchaus bekömmlich."

Der Anwalt des Wettbewerbsvereins verwies hingegen auf die potenziell schädliche Wirkung von Alkohol. Mit "bekömmlich" werde suggeriert, dass das Bier keine negativen Folgen habe. Der Europäische Gerichtshof habe eine klare Linie vorgezeichnet. Der Vorsitzende BGH-Richter Thomas Koch hatte da bereits angedeutet, dass sein Senat dies berücksichtigen müsse.

© Mary Turner/Getty Images
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