Wir wissen viel zu wenig über China – deshalb hat ZEIT ONLINE jetzt einen Themenschwerpunkt über das riesige Land aufgelegt. 

Selbst Deutschlands oberster Verfassungsschützer schlug zuletzt Alarm. "Man braucht keine Spionage, wenn man ganze Unternehmen kaufen kann", kommentierte Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, die rasant wachsenden Investitionen chinesischer Firmen in Deutschland. "Ausweiden und ausschlachten" laute die Strategie der chinesischen Käufer. Maaßen sieht in dem rasch wachsenden Kaufinteresse von Investoren aus der Volksrepublik ein Sicherheitsrisiko, denn die chinesischen Unternehmen seien zur Zusammenarbeit mit den heimischen Geheimdiensten verpflichtet.

Hilfe, China kauft uns auf! Nicht nur in den Vereinigten Staaten, auch in Europa wächst die Sorge vor der Expansionsstrategie der Chinesen. Auch in Deutschland gab es etliche Fälle: Anfang 2017 übernahm der südchinesische Haushaltsgerätehersteller Midea den Augsburger Roboterproduzenten Kuka für 4,5 Milliarden Euro. Der chinesische Mischkonzern HNA stieg bei der Deutschen Bank ein. Und Li Shufu , Chef des Autoherstellers Geely, erwarb still und heimlich knapp zehn Prozent der Anteile von Daimler.

Ist es wirklich an der Zeit, Alarm zu schlagen? Noch ist die Summe der deutschen Direktinvestitionen in China mit gut 70 Milliarden Euro rund doppelt so hoch wie die der chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland (30-35 Milliarden Euro). Aber der Trend ist eindeutig. Die chinesischen Investitionen wachsen immer schneller: 2014 um 26,1 Prozent gegenüber 2013 und 2015 sogar um 39,7 Prozent gegenüber 2014. Und immer häufiger interessieren sich Käufer aus der Volksrepublik für technologisch besonders sensible Industriebereiche.

"Nicht von privatem Kapital getrieben"

Die verhinderte Übernahme des Halbleiter-Anlagenbauers Aixtron durch den chinesischen Investor Fujian Grand Chip Investment (FGC) Ende 2016 wurde zum Wendepunkt in der deutschen Debatte. Für 670 Millionen Euro wollte FGC aus dem südchinesischen Xiamen den Mittelständler aus Herzogenrath bei Aachen kaufen. Die Übernahme war eigentlich schon beschlossene Sache, das Bundeswirtschaftsministerium hatte eine Unbedenklichkeitsbescheinigung erteilt. Aber dann erreichten Berlin Informationen, wohl über amerikanische Geheimdienste, wonach Aixtron bei der Chipherstellung über ein Wissen verfüge, das auch sicherheitsrelevante Technologien umfasse. Im September 2016 widerrief der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Unbedenklichkeitserklärung seines Ministeriums. 

Kritik an dem Verkauf des Unternehmens hatte es auch von unabhängiger, wissenschaftlicher Seite gegeben. "Diese Übernahme ist nicht von privatem Kapital getrieben, sondern von Programmkapital im Dienste nationaler Industriepolitik", sagte Sebastian Heilmann, der Direktor des Berliner China-Forschungsinstituts Merics. "Staatliche Stellen haben die geplante Aixtron-Übernahme aktiv unterstützt und womöglich sogar gelenkt."

Da Aixtron eine Tochtergesellschaft im Silicon Valley hatte, überprüfte auch der US-Regierungsausschuss für Auslandsinvestitionen (CFIUS) den Verkauf und kam zu dem Ergebnis, die Übernahme gefährde die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten. Denn die Chips, die auf den Anlagen von Aixtron in den USA hergestellt werden, kommen auch in Rüstungsgütern für die amerikanischen Streitkräfte zum Einsatz. Im Dezember 2016 legte US-Präsident Barack Obama sein Veto gegen den Verkauf an die chinesischen Investoren ein. Der Deal wurde abgesagt.