Auch die Versicherungswirtschaft freut sich über das Urteil. "Das beschleunigt die Schadenregulierung in strittigen Fällen", sagt Bernhard Gause vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Allerdings müsste es einen datenschutzrechtlichen Standard bei den Geräten geben. "Eine mögliche Lösung könnten zum Beispiel Kameras sein, die immer nur einen kurzen Zeitraum aufzeichnen und ältere Aufnahmen kontinuierlich löschen. Technisch wäre es möglich, die Aufnahmen einer Dashcam nach einem Unfall – und nur dann – automatisch zu sichern", so Gause.

Solche Kameras gibt es schon heute von einigen Herstellern, zum Beispiel von Rollei. Seine Firma habe Modelle entwickelt, die unnatürliche Erschütterungen erfassen und dann eine laufende Aufzeichnung der Kamera so speichern, dass sie nicht überschrieben werden, sagt Geschäftsführer Güttler. Ein ähnliches Produkt gibt es beim Schweizer Hersteller Garmin.

Für einen der größten Kfz-Versicherer in Deutschland, die Allianz, sind solche Geräte der richtige Weg. Nach dem Urteil prüft das Unternehmen nun, wie und in welcher Form Dashcam-Aufnahmen genutzt werden können – und was das möglicherweise für die Versicherungsangebote bedeutet. Auch der zweite große Kfz-Versicherer Huk-Coburg will erst einmal die genaue Urteilsbegründung abwarten, ehe das Unternehmen über Angebote für ihre Kunden nachdenkt. Könnte es in Zukunft vielleicht Rabatte für Versicherte geben, die mit einer Kamera im Auto unterwegs sind? Immerhin glauben laut Bitcom-Studie 57 Prozent der Deutschen, dass die kleinen Kameras die Fahrer dazu zwingen, vorsichtiger zu fahren.

Rabatte für Dashcam-Nutzer?

Ob es durch den flächendeckenden Einsatz von Videokameras im Fahrzeug tatsächlich zu weniger Unfällen kommt, dazu gibt es keine Erhebungen. Entsprechend zurückhaltend gibt sich die Versicherungswirtschaft. Es sei noch zu früh, irgendwelche Rückschlüsse aus dem Urteil zu ziehen, heißt es von den Unternehmen. Dass die Versicherungen überhaupt Geld durch die Videoaufzeichnungen sparen können, glauben Branchenkenner nicht. Zumal der Anteil der Unfälle, die nicht oder nur mit Zweifeln aufgeklärt werden könnten, ohnehin nicht sehr groß sei.

Aber es könnte künftig eine ganz andere Zielgruppe geben: die Speditionsbranche, Taxi- und Busunternehmen und sonstige Fahrdienste. Der osteuropäische Hersteller TrueCam, der mittlerweile auch auf dem deutschen Markt Fuß gefasst hat, spricht Arbeitgeber in der Speditionsbranche schon heute gezielt an. Das Unternehmen wirbt damit, dass Speditionen mithilfe der Kameras ihren Fuhrpark und das Fahrverhalten ihrer Angestellten kontrollieren können. Praktischerweise bietet TrueCam auch gleich eine Auswertungssoftware an, mit der die Nutzer entweder ihr eigenes oder das Fahrverhalten ihrer Mitarbeiter auf Effektivität überprüfen können.