Laut einer Umfrage unter 20 deutschen Whistleblowern verloren zwei Drittel nach der Enthüllung ihren Job oder wurden in den Ruhestand versetzt. Das ergibt eine Auswertung des Vereins Whistleblower-Netzwerk für DIE ZEIT.

Demnach geben zwölf Enthüller an, bis heute unter gesundheitlichen Problemen zu leiden. "Oft werden Whistleblower ausgegrenzt und sich selbst überlassen", sagt Annegret Falter, die Vereinsvorsitzende des Netzwerks. Die EU will Whistleblower nun europaweit besser schützen: Am 4. Juni diskutieren die EU-Justizminister erstmals über den Entwurf einer Richtlinie, den Verbraucher-Kommissarin Věra Jourová vorgelegt hat. 

Der Entwurf schlägt unter anderem vor, dass Arbeitgeber künftig beweisen müssen, dass eine spätere Entlassung des Whistleblowers kein Racheakt sei. Konstantin von Notz, dem Vizevorsitzenden der Grünen-Fraktion im Bundestag, geht das nicht weit genug: "Neben neuen gesetzlichen Schutzmechanismen erscheint eine zusätzliche, unabhängige Struktur sinnvoll, die Whistleblower auffängt. Denkbar wäre beispielsweise ein Stiftungsmodell."

EU-Kommissarin Věra Jourová hatte den in Deutschland bestehenden Schutz für Whistleblower als unzureichend bezeichnet. Vor einem Treffen mit der deutschen Justizministerin Katarina Barley (SPD) in Berlin hatte Jourová Mitte Mai gesagt, der Schutz für Menschen, die auf Rechtsverstöße in Unternehmen oder in öffentlichen Institutionen hinwiesen, sei in Deutschland sehr begrenzt: "Es gibt weder klare Meldewege, noch gibt es ausreichenden Schutz vor Vergeltungsmaßnahmen."