Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat seinen bisherigen Vorsitzenden Reiner Hoffmann wiedergewählt. Der 62-Jährige erhielt auf dem DGB-Bundeskongress 289 der 379 abgegebenen Stimmen. Das entspricht einer Mehrheit von 76,3 Prozent – bei seiner ersten Wahl 2014 waren es noch 93,1 Prozent. Er folgte damals Michael Sommer. Hoffmann trat ohne Gegenkandidaten an. Seine Amtszeit beträgt erneut vier Jahre.

Hoffmann begann seine berufliche Laufbahn als Auszubildender bei den Farbwerken Hoechst und studierte über den zweiten Bildungsweg Wirtschaftswissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal. Nach seinem Studium arbeitete er in unterschiedlichen Funktionen für gewerkschaftsnahe Organisationen oder Gewerkschaften. Hoffmann ist bekannt für kämpferische Reden und eine fordernde, aber auch verbindliche Haltung gegenüber der Bundesregierung. Zu seinen Schwerpunkten zählen Grundsatzangelegenheiten und Gesellschafts­politik, Mitbestimmung, sowie internationale und europäische Gewerkschafts­politik.

In der Eröffnungsrede des DGB-Bundeskongresses erinnerte Hoffmann daran, dass die gute wirtschaftliche Lage in Deutschland nicht über gravierende Missstände hinwegtäuschen dürfe. Man habe zwar den höchsten Stand der Beschäftigung und die Arbeitslosigkeit sei gesunken. Trotz dieser Rekorde seien aber rund 20 Prozent der Beschäftigten "im Niedriglohnsektor gefangen". Gleichzeitig öffne sich die Schere bei den Vermögen und Einkommen. "Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, dass es immer ungerechter zugeht", sagte Hoffmann. "Wir setzen uns gegen prekäre Arbeit und sachgrundlose Befristungen ein, für eine gute Alterssicherung und eine funktionierende öffentliche Infrastruktur." Dem bedingungslosen Grundeinkommen steht er skeptisch gegenüber.

DGB erwartet Angela Merkel

Der DGB trifft sich derzeit unter dem Motto "Solidarität – Vielfalt – Gerechtigkeit" zu seinem 21. Bundeskongress, um über die politischen Leitlinien des DGB in den nächsten vier Jahren zu entscheiden. Der Kongress ist am Sonntag eröffnet worden, insgesamt wird er fünf Tage dauern. Zu den Teilnehmenden zählen 400 Delegierte aus den acht Mitgliedsgewerkschaften, sowie zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller.