Das EU-Parlament hat eine überarbeitete Entsenderichtlinie beschlossen. Damit will es die Rechte von EU-Bürgerinnen und -Bürgern stärken, die von ihren Arbeitgebern in ein anderes EU-Land geschickt werden. Sie sollen künftig besser vor Ausbeutung und niedrigen Löhnen geschützt werden. "Das ist ein Riesenschritt hin zu einem faireren europäischen Arbeitsmarkt", erklärte der Vorsitzende der Europa-SPD, Jens Geier.

Gleicher Lohn, gleiche Bedingungen, keine Fahrtkosten

Die neue Richtlinie sieht vor, dass ins Ausland entsandte Arbeitnehmer den gleichen Lohn bekommen und unter den gleichen Bedingungen arbeiten wie ihre einheimischen Kollegen. Die Kosten für die Reise in das Land und für ihre Unterkunft dürfen nicht mehr von ihrem Lohn abgezogen werden, sondern müssen vom Arbeitgeber getragen werden. Entsendungen sind künftig auf ein Jahr beschränkt – eine Verlängerung auf 18 Monate ist unter bestimmten Umständen möglich. Nach Ablauf der Frist gilt für Arbeitnehmer aus Drittländern das gesamte Arbeits- und Sozialrecht des Landes, in dem sie arbeiten. Die Mitgliedstaaten müssen die neuen Regeln bis Mitte 2020 umsetzen.

Zuletzt arbeiteten offiziellen Angaben zufolge mehr als zwei Millionen entsandte Kräfte in einem anderen EU-Land. Nach Deutschland kommen besonders viele Arbeitnehmer, wie die Grafik unten zeigt, es sind mehr als 400.000 Menschen. Die meisten von ihnen sind hierzulande auf Baustellen tätig, in der Industrie oder in sozialen Berufen wie der Pflege. Umgekehrt gehen auch vergleichsweise viele deutsche Arbeitnehmer in andere europäische Länder zum Arbeiten.

Über die Reform der mehr als 20 Jahre alten EU-Entsenderichtlinie wurde seit 2016 gestritten. Östliche Mitgliedstaaten mit niedrigem Lohnniveau wollten die Freizügigkeit ihrer Bürger verteidigen, während viele westliche EU-Länder beklagen, dass durch die meist günstigeren Arbeitskräfte die Löhne in ihrem Arbeitsmarkt gedrückt werden.