Über den Stand der Handelsgespräche zwischen den USA und China gibt es widersprüchliche Darstellungen. Zunächst wurde aus US-Verhandlungskreisen gemeldet, die Volksrepublik habe angeboten, das US-Handelsdefizit um rund 200 Milliarden Dollar zu reduzieren. Das berichteten übereinstimmend die Agentur Reuters und die New York Times. Nun widerspricht China: Diese Darstellung treffe nicht zu, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. Die Handelsgespräche dauerten an und verliefen bislang konstruktiv.

Um den Abbau des Überschusses zu erreichen, hatte es aus US-Kreisen geheißen, könnte China unter anderem die Abnahme von US-Produkten zusichern. Im Gespräch sei auch die Abschaffung von chinesischen Zöllen im Wert von vier Milliarden Dollar auf landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Obst, Nüsse, Schweinefleisch, Wein und Hirse.

Ein US-Vertreter sagte demnach, dass der US-Flugzeugbauer Boeing mit am meisten von einem solchen Angebot der Chinesen profitieren könnte. Boeing ist der größte Exporteur der USA und verkauft bereits ein Viertel seiner Verkehrsflugzeuge nach China.

Die Gesamtsumme des chinesischen Angebots entspricht einer Forderung von Trump, der von der Regierung in Peking verlangt, den Überschuss bis 2020 um 200 Milliarden Dollar abzubauen und die Zölle auf US-Exporte deutlich zu senken. Andernfalls droht er mit Strafzöllen von bis zu 150 Milliarden Dollar auf chinesische Waren. Trump sieht sein Land benachteiligt, weil die Volksrepublik viel mehr in die Vereinigten Staaten exportiert als dort einkauft. Im vergangenen Jahr erzielte China einen Überschuss im Handel mit den USA von 375 Milliarden Dollar. Allein im ersten Quartal diesen Jahres waren es rund 80 Milliarden Dollar, fast zehn Milliarden mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt bemühen sich derzeit um eine Lösung ihres Handelsstreits. Eine erste Gesprächsrunde in Peking Anfang des Monats war ergebnislos verlaufen. Chinas Vizeministerpräsident Liu He und andere Regierungsvertreter halten sich momentan für eine zweite Runde in der US-Hauptstadt auf. Liu traf Trump am Donnerstag. Details zu der Zusammenkunft teilte das US-Präsidialamt im Anschluss nicht mit.

Zuvor hatten staatliche Medien Liu mit den Worten zitiert, die Regierungen in Washington und Peking sollten ihren Streit im gegenseitigen Respekt angehen und sich um Ergebnisse bemühen, die beiden Seiten nutzten. Trump äußerte sich später über die Erfolgsaussichten der Handelsgespräche pessimistisch. "Der Grund für meine Zweifel ist, dass China sehr verwöhnt ist", sagte er. China habe die USA zu lange abgezockt. Das könne er nicht mehr zulassen. Die Gespräche sollen an diesem Freitag fortgesetzt werden.