Das Wunderhaus will ein Dorf sein. So steht es zumindest gleich am Eingang des Clubs in Berlin-Prenzlauer Berg: "Es braucht ein Dorf, um ein Kind aufzuziehen", prangt es auf Englisch in Neonleuchtschrift an der Wand.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich dieses Dorf kaum von einem der typischen Berliner Cafés: ein heller Raum, große Holztische, Hängesessel. Alles in schön. An der Theke gibt es Seeded Avocado Toast für 6,90 Euro und Latte macchiato für 3,50 Euro. Ein blonder Junge rennt durch den Raum und schreit, Mütter trinken mit Kindern auf dem Schoß ihren Kaffee.     

Das mag Klischeealltag in Berlin-Prenzlauer Berg sein. Doch dieses Café ist noch mehr: ein "family membership club". Eine Wunderhaus-Mitgliedschaft kostet zwischen 49 und 149 Euro im Monat. Dafür bekommen die Eltern eine kinderfreie Zeit: Direkt neben dem Caféraum gibt es ein großes Spielezimmer mit Holzspielzeug und Kuschelecke. Hier übernehmen die Wundersitter die Kinderbetreuung, während nebenan die Eltern arbeiten – oder eben Kaffee trinken. Ein Privatclub für Eltern und Kinder, so etwas gibt es bislang vor allem in den USA, aber nicht in Deutschland.

Die Zahl der Clubmitglieder im Wunderhaus steigt – während in Berlin Tausende Plätze in Kindertagesstätten fehlen. Vor Kurzem erst protestierten in Berlin mehr als 3.000 Eltern gegen die Kita-Krise. Nach einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) aus dem vergangenen Jahr fehlen deutschlandweit sogar knapp 300.000 Plätze. Und das, obwohl es inzwischen einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung für Kinder ab dem ersten Lebensjahr gibt. 

Parallelgesellschaft oder gefragte Ergänzung

Das Wunderhaus als unterstützendes Dorf: Schafft der Club eine Parallelstruktur für besser gestellte Menschen? Oder ist er genau das, was Familien hier brauchen: eine beliebte, wenn nicht sogar notwendige Ergänzung für viel arbeitende Eltern?

An einem der Holztische im Caféraum sitzt die Gründerin des Wunderhaus, Shirley Erskine-Schreyer. Die Idee für das Wunderhaus kam Erskine-Schreyer nach der Geburt ihrer zweiten Tochter. "Ich wollte einen Ort schaffen, wo sich Mütter auf natürliche Weise treffen und auch etwas für sich selbst tun können", sagt sie. Im Zentrum ständen für sie die Gemeinschaft, die Unterstützung für Mütter und das Netzwerken. Auch Väter seien willkommen – augenscheinlich aber sind die Mütter in der Mehrzahl.

Erskine-Schreyer kommt aus Kanada und hat lange als Model in New York gearbeitet. Die Kindercafés, die es in Berlin gab, mochte sie nicht. Sie seien ihr oft zu dreckig gewesen, die Auswahl beim Essensangebot war zu klein, erzählt sie. Ihr Wunderhaus will das genaue Gegenteil sein: modisch, sauber, international. Das Essen ist bio und aus der Region. Und die Mitarbeiter sprechen Deutsch und Englisch.

Offenbar hat Erskine-Schreyers Angebot zumindest im Prenzlauer Berg einen Nerv getroffen. Das Wunderhaus hat mittlerweile 140 Mitglieder, die meisten bezahlen zwischen 69 und 99 Euro im Monat. Etwa die Hälfte von ihnen sind Ausländer, die in Berlin arbeiten. Sie alle sind durch ihre Wunderhaus-Mitgliedschaft nun Teil einer "Gemeinschaft gleichgesinnter Eltern", wie das Wunderhaus wirbt. 

In der Presse wird der Club als "Soho House" für Mütter beschrieben. Wer Mitglied in dem bekannten Privatclub – nur 500 Meter Luftlinie entfernt – werden will, muss sich bewerben und zahlt dann einen monatlichen Beitrag. So stellt der Klub Exklusivität sicher. Erskine-Schreyer kann mit dem Vergleich gut leben.