Bis vor Kurzem war der Name Michael Cohen höchstens seinen Nachbarn an der noblen New Yorker Upper East Side ein Begriff. Gerne hätte es der 51-Jährige dabei belassen. Auf Cohens Visitenkarten steht "persönlicher Anwalt von Donald J. Trump". Cohen war es, der dem Pornostar Stephanie Clifford alias Stormy Daniels im vergangenen Oktober, wenige Tage vor der Wahl, 130.000 Dollar zahlte, damit sie über eine angebliche Affäre mit dem Kandidaten Trump schweigen sollte. Jetzt redet Clifford doch, und gegen Trumps Anwalt wird ermittelt.

Unter anderem, weil es sich bei der Zahlung um eine unzulässige Wahlspende gehandelt haben könnte. Der Anwalt behauptet, er habe auf eigene Initiative gehandelt, Trump habe nichts gewusst. Cohen und seine Frau nahmen für das Schweigegeld eine Hypothek auf ihre Wohnung auf. Der Präsident selbst spricht von einer "Hexenjagd" und leugnet nicht nur, von der Zahlung gewusst zu haben, sondern auch, eine Affäre mit Clifford gehabt zu haben.

FBI-Beamte beschlagnahmten Anfang April Kartons voller Dokumente aus Cohens Büro und privaten Räumen. Seither wird in Washington spekuliert, was die Beamten außer Belegen für die Überweisung an Stormy Daniels noch gesucht haben könnten. Zumal ihr Vorgehen gegen Cohen durch einen Hinweis von Robert Mueller erfolgt sein soll, wie US-Medien schrieben. Mueller ist der Sonderermittler, der unter anderem klären soll, ob Trumps Wahlkampfteam unzulässige Absprachen mit dem Kreml traf oder andere Kontakte nach Russland unterhielt.

Cohen gehörte bisher zu den treuesten von Trumps Vertrauten. Er sei bereit, für den Präsidenten eine Kugel abzufangen, sagte er im September vergangenen Jahres dem Hochglanzmagazin Vanity Fair. Die Bezeichnung Anwalt trifft Cohens Jobbeschreibung nur unzureichend – man würde ihn eher Fixer nennen. Das ist jemand, der seine juristische Ausbildung nutzt, um unangenehme Angelegenheiten für seine Klienten aus der Welt zu schaffen. Das Wall Street Journal berichtete vor Kurzem, dass er für Elliott Broidy, einen wohlhabenden Geschäftsmann, die Zahlung von 1,6 Millionen Dollar an ein ehemaliges Playboy-Model arrangiert hatte. Die Frau hatte eine Affäre mit Broidy und war schwanger geworden. Broidy, ein prominenter Republikaner, hatte im Wahlkampf für Trump gespendet.

Apartment für acht Millionen Dollar

Seine Tätigkeit für Trump ermöglichte Cohen den Aufstieg in die besseren Kreise New Yorks. Er fährt einen weißen Rolls Royce, am Arm trägt er eine 50.000 Dollar teure Uhr. Für sein Apartment an der schicken Park Avenue ließ er drei Wohnungen zu einer umbauen – aktueller Wert laut dem Finanznachrichtendienst Bloomberg: mindestens acht Millionen Dollar. Wegen einer Renovierung residiert Cohen allerdings mit seiner Familie gerade im Regency, einem Fünfsternehotel gleich nebenan.

Kaum etwas deutete zu Beginn auf eine solche Karriere hin. Wie sein späterer Boss Trump stammt Cohen zwar aus einer gut situierten Familie aus der Vorstadt, in seinem Fall aus Long Island. Sein Vater war Arzt, die Mutter Krankenschwester. Cohen besuchte eine Privatschule. Doch seine akademische Laufbahn verlief glanzlos. Er studierte Jura an der WMU-Cooley Law School, eine Hochschule, die vergangenes Jahr von der American Bar Association, der Standesorganisation der Juristen, abgemahnt wurde, weil sie Studierende akzeptiere, die keine Chance hätten, eine Zulassung als Anwältin oder Anwalt zu erhalten.

Seine erste Berufserfahrung sammelte Cohen als personal injury lawyer. Das heißt, er vertrat Mandanten, die zum Beispiel durch einen Unfall verletzt wurden und nun auf Schadensersatz klagten. Die ersten Jahre teilte er sich ein Büro mit einem Anwalt, der sich später schuldig bekannte, Mitarbeiter von Versicherungen bestochen zu haben, damit sie im Falle eines Vergleichs mit seinen Mandanten höhere Summen akzeptierten. Gegen Cohen wurden nie Vorwürfe erhoben, er vertrat Hunderte von Mandanten in Schadensersatzfällen.