Geht es nach der Kommission der Europäischen Union (EU), gibt es demnächst kein Wegwerfgeschirr aus Plastik mehr. Mit einem Verbot vieler Einwegprodukte aus Plastik und einer Recyclingquote für Plastikflaschen will die Brüsseler Behörde hauptsächlich das Müllproblem in den Meeren reduzieren, denn dort endet ein großer Teil des Plastikmülls aus Industrieländern.

80 Prozent des Mülls in den Weltmeeren bestehen nach Angaben der Kommission aus Plastik – also Material, das sich nur sehr langsam zersetzt und später in Form von Mikropartikeln in den Nahrungskreislauf zurückgelangen kann. Allein in der EU entstehen nach Angaben der EU-Kommission jedes Jahr 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, von denen weniger als 30 Prozent zur Wiederverwertung gesammelt werden. Schon im Januar forderte sie deshalb in einer von ihr verfassten Strategie, dass bis 2030 alle Kunststoffe wiederverwertbar sein sollen.

Der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, präsentierte nun ein Maßnahmenpaket, zu dem ein Verbot unter anderem von Plastikgeschirr und -besteck, Strohhalmen, Halterungen für Luftballons und Stäbchen zum Umrühren von Getränken gehört. Außerdem sollen die Mitgliedsstaaten die Auflage bekommen, bis 2025 Einwegplastikflaschen zu 90 Prozent zu recyceln. Das sei ein erreichbares Ziel, sagte Timmermans. Vorbild ist hier das Einwegpfand, wie es 2003 in Deutschland eingeführt wurde.

Getränkedeckel an der Verpackung befestigen

Das Verbot soll nur für Produkte gelten, die einfach und kostengünstig aus anderen Materialien hergestellt werden können, sagte der Vizepräsident. Für alle anderen – etwa Behälter für Getränke und Essen zum Mitnehmen – will die EU-Behörde Reduktionsziele formulieren, wie aus der Strategie hervorgeht.

Sie fallen unter die Kategorie Produkte, die nicht verboten, aber zurückgedrängt werden sollen, neben Verpackungen für Fast Food auch Gummiluftballons, Getränkeverpackungen und Deckel. Letztere sollen künftig so konstruiert werden, dass sie an Einwegflaschen oder -trinkbechern befestigt sind. Hersteller anderer Plastikprodukte wie etwa Chipstüten oder Zigarettenfilter sollen für Infokampagnen zahlen. Zudem sollen Produkte wie Luftballons künftig mit auffälligen Warnhinweisen versehen werden, die die Verbraucher über die Umweltrisiken und die richtige Entsorgung aufklären.

Plastikmüll - Es geht auch ohne Plastik Die Europäische Kommission will Rührstäbchen, Strohhalme und Ballonhalter verbieten. Alternativen gibt es, doch die sind nicht immer günstig. © Foto: Bart Biesemans

Grundsätzlich will die Kommission die Nachhaltigkeit von Einwegprodukten verbessern, wie Timmermans sagte. Er forderte die Mitgliedsstaaten auf, gemeinsam zu handeln, um das Problem anzugehen. "Das ist ein Rennen zum Gipfel", sagte er. Es gelte, die besten Ideen umzusetzen. Timmermans versuchte aber auch, den Bürgern die Angst vor Einschränkungen zu nehmen. "Sie können weiter Picknicks organisieren", sagte er seinen Zuhörern.

Bereits alternative Materialien verfügbar

Plastikstrohhalme sind für Umweltschützer weltweit das Symbol für unnötigen Einmalkonsum. Verlässliche Daten gibt es zwar nicht, aber die in Brüssel ansässige Umweltschutzdachorganisation Seas at Risk schätzt den jährlichen Verbrauch in den 28 EU-Ländern auf Grundlage von Handels- und Abfallstatistiken auf 36,4 Milliarden Halme. Rechnerisch nutzt demnach jeder der etwa 512 Millionen EU-Bürger also 71 Stück pro Jahr.

Verbraucher können bereits heute auf alternative Materialien ausweichen. So gibt es kompostierbare Becher und Besteck aus Holz und anderen kompostierbaren Materialien. Zudem arbeiten Hersteller an Alternativen für vielleicht einmal verbotene Produkte, auch für Trinkhalme. So kündigte im April Tetra Pak die Umstellung auf Papiertrinkhalme bis zum Jahresende an – dabei geht es um die Röhrchen für Saft- oder Milchpackungen, mit denen man den Inhalt heraussaugen kann. Im weltweiten Vergleich zeigt sich, dass die EU beim Thema Plastikmüll Nachholbedarf hat. So ist etwa Ruanda bereits weiter.

Die ersten Reaktionen aus der Wirtschaft auf den EU-Plan sind positiv. Die vorgelegte Richtlinie ist allerdings zunächst nur ein Vorschlag. Damit sie wirksam wird, muss die EU-Richtlinie nun vom EU-Parlament und vom Europäischen Rat angenommen werden.