Es wird immer schwieriger, gute Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Das geht aus dem Atlas der Arbeit hervor, einer Studie zur Arbeit weltweit, die vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der Hans-Böckler-Stiftung erstellt wurde. 

Demnach arbeiteten mindestens 1,4 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt in prekären Beschäftigungsverhältnissen. In den Entwicklungsländern arbeiteten bis zu 80 Prozent der Erwerbsbevölkerung unter widrigen Umständen – etwa als Tagelöhnerinnen und Tagelöhner. Ihr Lohn reiche in der Regel kaum zum Leben, es gebe meist nicht einmal einen Minimum an Arbeitsschutz.

In den Industrienationen arbeiteten im Schnitt zehn Prozent der Bevölkerung in prekären Verhältnissen. In Deutschland beispielsweise sei der Anteil noch nie so hoch gewesen wie heute. Zu prekären Arbeitsverhältnissen zählt die Studie etwa Menschen, die im Niedriglohnsektor tätig sind, einen Minijob haben, unfreiwillig Teilzeit arbeiten oder einen Werk- oder Zeitvertrag erhalten. Insgesamt habe sich der Anteil der prekären Beschäftigungsverhältnisse seit den Neunzigerjahren mehr als verdoppelt. Bald schon könnte eine unbefristete Vollzeitstelle kein Normalarbeitsverhältnis mehr sein, heißt es in der Studie. Schon heute habe fast jeder Zweite kein solches Beschäftigungsverhältnis mehr.

Auch dass der Lohn zum Leben reicht, sei nicht mehr selbstverständlich. Mittlerweile sei der Niedriglohnsektor in Deutschland einer der größten in ganz Europa. Zugleich stagniere die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Auch sei das Risiko, arbeitslos zu werden, größer geworden – schlicht deswegen, weil immer mehr Beschäftigungsverhältnisse befristet seien und nur auf Zeit geschlossen würden. Besonders hoch sei das Risiko für Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter, heißt es in der Studie. Sie würden immer öfter auch für hochqualifizierte Tätigkeiten eingesetzt – in der IT zum Beispiel. "Die Arbeitswelt wird instabiler", resümieren die Verfasserinnen und Verfasser der Studie. 

Vermögen aus Erwerbsarbeit aufbauen wird immer schwerer

Außerdem sinke die Lohnquote kontinuierlich, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit. Die Lohnquote drückt aus, wie hoch der Anteil von Erwerbseinkommen am Volkseinkommen ist. Sie zeigt damit beispielsweise, wie viel Vermögen in einem Land durch Erwerbsarbeit aufgebaut werden kann und wie viel Vermögen beispielsweise durch Kapitalvermögen erwirtschaftet wird. Während die Lohnquote Anfang der 2000er Jahre noch bei 72 Prozent gelegen habe, betrage sie mittlerweile 68 Prozent.

Die mittleren Einkommen seien geschrumpft, parallel wachse aber die Gruppe mit extrem hohem Einkommen. Um die mittleren Einkommen zu stärken, fordern die Autoren Branchenflächentarife. Doch dazu müssten wieder mehr Beschäftigte Mitglied in einer Gewerkschaft sein. Die Zahl der organisierten Beschäftigten sinkt jedoch seit Jahren: Ende 2017 hatten die DGB-Gewerkschaften noch knapp sechs Millionen Mitglieder. Dabei gibt es gut 40 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland. Im Jahr 2000 waren noch 7,8 Millionen Menschen Mitglied in einer Gewerkschaft und damals war auch die Zahl der Erwerbstätigen geringer. Eine Möglichkeit wäre es, Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären, wie etwa gerade bezüglich der Pflegebranche diskutiert wird. Bisher sind nur 1,5 Prozent aller gut 70.000 Tarifverträge in Deutschland allgemeinverbindlich. Davon profitierten alle Erwerbstätigen in einer Branche, heißt es in der Studie.

Apropos Zahl der Erwerbstätigen: Diese steigt seit Jahren stetig, und zwar nicht nur hierzulande, sondern weltweit. Zu erklären sei das einerseits durch die Emanzipation, immer mehr Frauen sind berufstätig, schreiben die Verfasserinnen und Verfasser der Analyse. Zugleich steige die Lebenserwartung und immer mehr Menschen arbeiteten auch im Alter. Auch wächst die Weltbevölkerung.

Bei der Zahl der Beschäftigten spiele auch die Arbeitsmigration eine große Rolle. Während in Deutschland in den vergangenen vier Jahrzehnten über zwei Millionen sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden seien, sei die Zahl der Arbeitslosen effektiv nur um 400.000 gesunken, heißt es in der Studie. Warum? Weil viele Menschen aus anderen Ländern mittlerweile in Deutschland arbeiteten. Die Autoren gehen davon aus, dass die Arbeitsmigration in Zukunft noch weiter steigen werde. Einerseits weil in vielen Industriestaaten junge Fachkräfte fehlten, andererseits weil die Ungleichheit weltweit immer größer werde und Menschen vor Armut und Bedrohung durch Kriege und Umweltkatastrophen flöhen.