Die Entscheidung der Briten zum Austritt aus der EU hat den durchschnittlichen Haushalt im Land nach Angaben der Zentralbank bislang 900 Pfund gekostet. Die britische Wirtschaft sei heute etwa 1,5 Prozent kleiner als am Vorabend des Brexit-Referendums erwartet, sagte der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, vor dem Finanzausschuss des Parlaments. Dies sei "eine Menge Geld".   

Allein die Entscheidung für einen Austritt ließ den Wert des Pfundes um etwa 15 Prozent zurückgehen, was wiederum den Preis importierter Waren und damit auch die Inflationsrate in die Höhe trieb. Auch die Erwartungen auf eine positive Entwicklung der Wirtschaft habe sich verringert, die Investitionen sanken um vier Prozent. Dies stehe klar im Zusammenhang mit der Brexit-Entscheidung und habe zum Rückgang des Wirtschaftswachstums beigetragen. 

Allerdings sei wieder etwas mehr Vertrauen in die britische Wirtschaft zurückgekehrt, seit sich die Regierung in London mit der EU auf einen Fahrplan für die Übergangszeit des Austritts geeinigt habe, sagte Carney. Entscheidend für die weitere Entwicklung sei, ob eine abschließende Einigung mit der EU in diesem Jahr erreicht werde.

Die Bank of England hat jüngst angesichts der schwächelnden Konjunktur auf eine Anhebung ihres Leitzinses verzichtet. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld verharrte bei 0,5 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal lediglich um 0,1 Prozent und damit so langsam wie seit 2012 nicht mehr. Viele Experten rechnen nun im August mit einer Zinserhöhung, sollte es bis dahin Hinweise für eine Belebung der Wirtschaft geben.