Es steckt eine unfreiwillige Komik in der Ankündigung einer Nachrichtenagentur: Bundeskanzlerin Angela Merkel reise "zum ersten Mal seit dem Ende der Eurokrise" in dieser Woche nach Portugal. Es stimmt natürlich, dass Portugal die Eurokrise im Vergleich zu den anderen Südländern am besten überstanden hat; die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt.

Aber die vergangenen Tage zeigen, wie zerbrechlich die Lage im Süden noch immer ist. Die politische Unsicherheit, die von Rom ausgeht, verunsichert die Eurozone – und die ersten Staaten, die dies zu spüren bekommen, sind Portugal, Spanien und Griechenland. Wie geht es heute den Euroländern, die jahrelang im Zentrum der Krise standen?

Portugal

Fast acht Jahre ist es her, dass die Regierung in Lissabon wegen zu hoher Schulden mit in die Eurokrise hineingeriet und erste Sparmaßnahmen beschloss. Die Gehälter im öffentlichen Dienst wurden eingefroren, Sozialausgaben gekürzt, steuerliche Ausnahmen eingeschränkt. Doch es nützte wenig. Im Jahr 2011 verlangten Investoren so hohe Risikoaufschläge auf portugiesische Staatsanleihen, dass es für Portugal zu teuer wurde, sich am Markt weiterhin Geld zu besorgen. Das Land beantragte Finanzhilfe von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds und willigte im Gegenzug in ein hartes Sparprogramm ein.

Drei Jahre dauerte es, bis sich die Verhältnisse in Portugal einigermaßen stabilisierten, auch bis die politische Krise und die Folgen der Regierungswechsel überwunden waren. Der portugiesische Haushalt war nach dem Sparkurs saniert, so dass der sozialistische Ministerpräsident António Costa, seit Ende 2015 an der Macht, behutsam die Sparpolitik lockern konnte. Damit sicherte er sich die Zustimmung vieler Portugiesen. Gleichzeitig gelang es dieser Regierung, die Vorgaben aus Brüssel weiterhin einzuhalten. Auch trotz der verschiedenen Parteibücher ist Ministerpräsident Costa bisher öffentlich nicht in Konflikt mit der Regierung Merkel getreten. In Europafragen kooperieren Deutschland und Portugal weitgehend.

Inzwischen gehört das Land mit einem Wachstum von 2,7 Prozent im Jahr 2017 zu  den Spitzenreitern der Eurozone. Auch die Arbeitslosigkeit ist stark gesunken. Die Kurve gleicht einem spitzen Berg: Der Gipfel war 2013 mit 17,5 Prozent erreicht. Seitdem ist die Arbeitslosenquote unter acht Prozent gefallen – der niedrigste Stand seit 2004. Auch das Vertrauen internationaler Investoren ist zurück. Portugiesische Staatsanleihen sind überzeichnet, das Land zahlt vorzeitig Schulden an den Internationalen Währungsfonds zurück, der ein Drittel der Hilfskredite gewährt hatte.

Spanien

Ähnlich wie Portugal schien sich auch Spanien in jüngster Zeit von den Auswirkungen der Eurokrise zu erholen. Wären da nicht die politischen Risiken, die seit wenigen Wochen wieder die Stabilität des Landes gefährden. Die Regierung in Madrid hatte jahrelang mit dem Abschwung zu kämpfen, weil in den Jahren 2011 und 2012 eine Immobilienblase geplatzt war. Allerdings nahm Spanien – im Unterschied zu Portugal und Griechenland – nie ein Rettungsprogramm für den Staatshaushalt in Anspruch. Es beantragte stattdessen beim Europäischen Rettungsfonds ESM Kredite für Not leidende spanische Banken in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro. Am Ende benötigten die Banken davon nicht mehr als die Hälfte.

Dennoch schlug die Krise im Bankensektor voll auf die Wirtschaft durch, mehr als drei Millionen Jobs wurden gestrichen. Anfang 2013 erreichte die Arbeitslosenrate einen Spitzenwert von fast 27 Prozent. Seitdem ist sie gesunken, auf inzwischen etwa 16 Prozent – was allerdings noch immer doppelt so viel ist wie der Durchschnitt im Euroraum. Zu verdanken ist die dennoch insgesamt positive Entwicklung einem kräftigen Wirtschaftswachstum, das zwischenzeitlich fast vier Prozent erreichte.