Angesichts des dramatischen Wertverfalls der Lira hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan seine Landsleute dazu aufgerufen, ihre Dollar- und Euroersparnisse in die heimische Währung umzutauschen. "Meine Brüder, die Dollar oder Euro unter ihren Kopfkissen haben, geht und legt euer Geld in Lira an. Wir werden zusammen diesen Komplott vereiteln", sagte Erdoğan auf einer Wahlkundgebung in der osttürkischen Stadt Erzurum. Im Vergleich zum Dollar und zum Euro hat die Lira seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent an Wert verloren.

Innerhalb der vergangenen vier Wochen verlor die Lira 16 Prozent ihres Wertes im Vergleich zum US-Dollar. Nach einem neuerlichen Abrutschen des Wechselkurses am Mittwoch griff die türkische Nationalbank mit einer Leitzinserhöhung ein. Die Schwäche der Währung ist für den Staatschef ein Problem im Wahlkampf, weil viele Wählerinnen und Wähler sie als Zeichen für die Schwäche der türkischen Wirtschaft interpretieren.

Erdoğan hat bereits angekündigt, dass er nach den Parlaments- und Präsidentenwahlen am 24. Juni eine größere Kontrolle über die Geldpolitik ausüben will. Der Präsident, der sich erneut um sein dann mit weitaus größeren Machtbefugnissen ausgestattetes Amt bewirbt, hat sich selbst zum "Gegner von Zinsen" erklärt.

Die türkische Regierung sieht hinter dem Verfall der Lira keine ökonomischen Gründe, sondern eine Verschwörung heimischer und ausländischer Finanzkräfte, die die türkische Wirtschaft destabilisieren wollen und die Abwahl Erdoğans befürworten.