Als US-Präsident Donald Trump den Ausstieg aus dem Atomabkommen ankündigte, drohte er dem Iran zugleich "die schärfsten Wirtschaftssanktionen" an. Konkret heißt das wohl: Ausländische Firmen, die Geschäfte im Iran tätigen, müssen fürchten, in Zukunft wieder von den USA dafür bestraft zu werden. Ebenso wie internationale Banken, die es wagen, trotz der US-Sanktionen über die Zentralbank in Teheran Öl zu kaufen.

Was bedeutet das für den Iran? Wie sehr werden die Sanktionen das Land wirtschaftlich schwächen? Werden sie es in eine Rezession stürzen, so wie in den Jahren vor dem Atomdeal? Um diese Fragen zu beantworten, hilft es zu schauen, wie sich die iranische Wirtschaft in den vergangenen drei Jahren entwickelt hat.

Im Juli 2015 unterzeichneten die UN-Vetomächte, Deutschland und der Iran in Wien das Atomabkommen. Der Iran verpflichtete sich, Nuklearenergie nur zu zivilen Zwecken zu nutzen, nicht aber militärisch. Im Gegenzug sollten die Wirtschaftssanktionen des Westens schrittweise aufgehoben werden. Anfang 2016 bestätigte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), dass der Iran seinen Teil des Abkommens erfüllt habe – die wirtschaftlichen Sanktionen wurden ausgesetzt.

Doch der ersehnte Boom der iranischen Wirtschaft blieb aus. "Die hohen Erwartungen haben sich nicht materialisiert", sagt Michael Tockuss, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Handelskammer.

Der Anfangsschwung verebbte

Die iranische Regierung hatte sich jährliche Wachstumsraten von acht Prozent zum Ziel gesetzt. Im ersten Jahr nach der Unterzeichnung des Atomabkommens übertraf das Land die Marke zwar bei Weitem, die Wirtschaft wuchs um beeindruckende 12,5 Prozent. Doch schon im darauffolgenden Jahr betrug die Wachstumsrate nur noch vier Prozent. Ebenso hoch liegt die bisherige Prognose für das laufende Jahr – also ohne Berücksichtigung der US-Sanktionen.

Warum hat der Iran es nicht geschafft, den Anfangsschwung besser zu nutzen? Ein Grund ist: Anfangs wuchs die iranische Wirtschaft vor allem, weil das Land wieder mehr Öl exportieren konnte. Aus dem Jahresbericht der Opec geht hervor, dass der Iran 2016 fast zwei Millionen Barrel Rohöl pro Tag ins Ausland verkaufte, 80 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Doch zugleich stagnierte die industrielle Produktion, und die erwarteten Investitionen aus dem Ausland blieben aus. Bereinigt man die Wachstumsrate um den Anteil der Ölexporte, sieht man, dass die anderen Sektoren der iranischen Wirtschaft im scheinbaren Boomjahr 2016 gerade einmal zwischen drei und sechs Prozent wuchsen

Warum war das so? Hinter der Zurückhaltung der Investoren steckte unter anderem die Volatilität des Rials. Der Wechselkurs der iranischen Währung schwankt stark. Verträge in ihr zu schließen, schien vielen zu riskant. Hinzu kamen bürokratische Hürden und mangelnde Infrastruktur.

Kein Geld für Investitionen

Der wichtigste Grund für das schwache Wachstum liegt aber im Finanzsektor: Obwohl die Sanktionen Anfang 2016 aufgehoben worden waren, schreckten viele Banken auch danach noch vor Geschäften mit iranischen Partnern zurück. "Das grundlegende Problem war, dass es bei den Sanktionsregimen keine Kongruenz gab", sagt Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) – denn auch als das Atomabkommen schon längst unterzeichnet war, durften amerikanische Banken kein iranisches Öl kaufen. Europäische Banken hingegen schon.

Zuvor waren auch internationale Banken sanktioniert worden, die einen Sitz in den USA hatten oder Geschäfte mit dem Iran in US-Dollar finanzierten. Die USA hatten das Ziel, den Iran vom internationalen Finanzmarkt abzukoppeln. "Jede Bank, die Ölgeschäfte im Iran finanzierte und auch ein Dollarkonto hatte, machte sich angreifbar. Sie hingen quasi am ausgestreckten Arm der Amerikaner", sagt Treier. Zwar galt das nach der Unterzeichnung des Atomdeals nicht mehr – doch viele Banken zögerten auch danach, Geschäfte mit dem Iran zu finanzieren, weil sie eine Rückkehr der Sanktionen fürchteten. Donald Trump hat ihre Sorgen nun bestätigt.   

Dem Iran fehlte also schlicht das Geld für Investitionen. Deshalb fiel das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren so bescheiden aus.