"Ich freue mich schon auf die Beschäftigungszahlen heute Morgen", twitterte Donald Trump am vergangenen Freitag – gut 90 Minuten, bevor diese öffentlich gemacht wurden. Dass er mit seiner vorzeitigen Botschaft mal wieder ein Tabu brach und die Märkte prompt reagierten – nebensächlich. Denn die Zahlen sprachen für sich: Erstmals seit 18 Jahren liegt die US-Arbeitslosenquote unter vier Prozent. Selbst der sonst so präsidentenkritischen New York Times fehlten angesichts solch guter Nachrichten die Worte, ätzten die Kollegen vom Trump-nahen Sender Fox News.

Dass es auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt unter Donald Trump nach oben geht, dazu passt auch manche Geschichte aus der Wirtschaft. Unternehmen in Branchen wie Bau, Energie, Transport oder Gesundheit zahlen nach Angaben von Insidern derzeit Zuschläge schon für die Vertragsunterzeichnung, um neue Arbeitskräfte anzulocken. Die Eisenbahngesellschaft Union Pacific soll bis zu 20.000 Dollar bieten, weil das Unternehmen angeblich Schwierigkeiten hat, selbst einfache Stellen zu besetzen, für die es nicht mehr als einen Schulabschluss brauche. Gegenüber ZEIT ONLINE wollte das Unternehmen diese Meldung nicht kommentieren.

Erst in der vergangenen Woche reagierte auch Walmart, immerhin der größte private Arbeitgeber im Land. Der Einzelhandelskonzern gilt vielen als Indikator für den Zustand der Gesamtwirtschaft. Walmart kündigte an, seinen 1,4 Millionen Mitarbeitern auf Wunsch die College-Ausbildung zu finanzieren – ohne dass diese nach dem Abschluss weiter bei Walmart arbeiten müssen. Der Konzern versuche damit nicht nur, das eigene Image aufzubessern, sondern reagiere vor allem auf eine große Konkurrenzsituation um gute Arbeitskräfte. Für Walmart sei der Schritt ein Versuch, Mitarbeiter in Zeiten einer erhöhten Nachfrage nach Fachkräften an sich zu binden.

Doch viele Ökonomen sind skeptisch, ob der Arbeitsmarkt tatsächlich so gesund ist, wie die Schlagzeilen es vermuten lassen. "Die Arbeitslosenquote ist zwar gefallen, aber aus den falschen Gründen", sagt Diane Swonk, Chefökonomin bei dem Beratungsunternehmen Grant Thornton. Die Arbeitslosenquote sei vor allem gesunken, weil im selben Zeitraum die Erwerbsbevölkerung geschrumpft und die Erwerbsquote weiter zurückgegangen sei. Derzeit liegt der Prozentsatz der Amerikaner im arbeitsfähigen Alter, die am Erwerbsleben teilnehmen oder sich um eine Stelle bemühen, bei 62,8 Prozent – Tendenz fallend, trotz Aufschwung. "Eine Arbeitslosenquote, die niedriger ist, weil die Erwerbsbevölkerung schrumpft, ist kein Zeichen für eine gesunde Volkswirtschaft", schrieb die Beratungsfirma Sri-Kumar Global Strategies in einem Bericht an Kunden. Die These, dass die USA sich der Vollbeschäftigung näherten, stimme schlicht nicht.

Schwache Lohnentwicklung

Optimisten – darunter auch die zuständigen Kabinettsmitglieder des Präsidenten – verteidigen die Zahlen. Die schrumpfende Erwerbsquote lasse sich einfach damit erklären, dass die Gesellschaft älter werde und die Amerikaner der Babyboomer-Generation derzeit in den Ruhestand wechselten und aus dem Arbeitsmarkt ausschieden. Doch Kritikern greift das zu kurz. Denn die Quote liegt selbst bei den 25- bis 54-Jährigen, die vom Ruhestand weit entfernt sind, mit 82 Prozent noch immer deutlich unter den 83,2 Prozent von Dezember 2007, dem Beginn der Rezession. Manche der jungen Menschen sind krank oder drogenabhängig, andere haben schlicht aufgegeben, einen Job zu suchen.