Ein Polizist auf einem Motorrad gibt Lkw-Fahrer Wilhelm Tober ein Zeichen mit der Winkerkelle: Kontrolle – bitte folgen. Für Tober ist das nichts Neues. Seit zwanzig Jahren fährt er Lastwagen. Er wird nicht zum ersten Mal von der Polizei aus dem Verkehr geholt. Dass er aber in die erste Großkontrolle des Dieselfahrverbots geraten ist, weiß Tober zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Mit seinem gelb-blauen Mercedes-Lkw folgt er dem Motorrad von der zweispurigen Stresemannstraße zum nahegelegenen Kontrollpunkt am Heiligengeistfeld, einer großen Veranstaltungsfläche neben dem Millerntor-Stadion. Um Staus zu vermeiden werden alle Laster, die die Polizei heute kontrolliert, hierher umgeleitet.

Mit dem 1. Juni hat Hamburg als erste deutsche Stadt zwei Durchfahrtsbeschränkungen für Dieselfahrzeuge in Kraft gesetzt. Neben dem rund eineinhalb Kilometer langen Abschnitt der Stresemannstraße gilt die Beschränkung auch auf einem 600-Meter-Teilstück der Max-Brauer-Allee. Dort dürfen neben den Lkw auch keine Pkw mehr fahren, die nicht die aktuelle Euro-Norm erfüllen. An beiden Straßenabschnitten wird der Stickoxidgrenzwert seit Jahren immer wieder überschritten.

Bisher hat die Polizei bei Kontrollen an den neuen Verbotsstrecken nur verwarnt und informiert. Nun ist die Eingewöhnungsphase für die Hamburger Dieselfahrer vorbei. Fahrer von Diesel-Pkw unter Euro-Norm 6, die den Teilabschnitt nicht umfahren, müssen 25 Euro Strafe zahlen, betroffene Lkw-Fahrer 75 Euro. Heute konzentriert sich die Polizei auf die Lkws.

Manchmal ist keine Prüfung möglich

Tober muss den Polizeibeamten Kraftfahrzeugschein und Führerschein zeigen. Er transportiert Gefahrengut von einer Chemieraffinerie südlich der Elbe. Tober ist gut gelaunt, beantwortet die Fragen der Journalisten, die am Heiligengeistfeld die Kontrolle beobachten. Tobers Fahrzeug ist noch recht neu. "Ich weiß, dass ich hier fahren darf, ich kann ja die Schilder lesen." Und auch aus seinen Papieren ergibt sich schnell: Tobers Lastwagen hat die Euro-Norm 6, er darf den Teilabschnitt der Stresemannstraße befahren und muss keine Umleitung nehmen.

"Für mich ist das gut", sagt Tober. Lästig sei es jedoch für all diejenigen, die Gefahrengut transportieren und nicht die Euro-Norm erfüllen. Die müssten sich dann eine neue Strecke durch das Stadtinnere suchen. Doch das sei dann mit den Fußgängern und Fahrradfahrern eigentlich viel zu gefährlich.

Auch Uwe Nürnberger, ein Lkw-Fahrer, der Leergut aus der Hamburger Holsten-Brauerei nach Dresden transportiert, findet die Kontrollen grundsätzlich richtig. "Irgendwann muss es ja passieren. Ist besser für Umwelt und Gesundheit." Allerdings sei der Abschnitt hierfür viel zu kurz. Mit eineinhalb Kilometern könne man doch nicht viel bewirken. Zudem täten ihm die kleinen Betriebe leid, die mit älteren Transportern diese Strecke nutzten. Für die bedeute das Ganze einen enormen wirtschaftlichen Schaden.

Ein weiterer, dunkelroter Lastwagen wird aus dem Verkehr rausgeführt und von einem Polizeistreifenwagen zum Kontrollpunkt geleitet. Der Fahrer und sein Lkw stammen aus Polen. In seinem Fall ist nicht gleich aus den Papieren zu erkennen, welche Abgasnorm sein Fahrzeug erfüllt. Der Fahrer muss warten, während die Beamten Fahrzeugtyp, Kfz-Kennzeichnen und Motortyp per Funk an das Polizeikommissariat durchgeben. Online prüfen die Kollegen dort die Daten. Doch die Euro-Norm des dunkelroten, polnischen Lkws ist nicht hinterlegt. Keine Prüfung möglich. Die Polizeibeamten drücken dem Fahrer noch eine Infobroschüre in seiner Landessprache in die Hand und lassen ihn weiterziehen, auf Verdacht kann niemand verwarnt oder geahndet werden.

Eine Broschüre und 75 Euro Bußgeld

"Es kann vorkommen, dass sich die Euro-Norm von Fahrzeugtypen aus anderen EU-Ländern, in denen Dieselverbote noch keine Rolle spielen, nicht überprüfen lässt", sagt Andreas Nieberding, Polzeidirektor im Bezirk Hamburg-Altona. Bei Fahrzeugtypen deutscher Automobilhersteller sei das einfacher festzustellen.

Leichte Verwirrung gibt es auch mit dem nächsten Fahrer. Er habe nur die Euro-Norm 3, sagt der Fahrer eines älteren, weißen Kleintransporters reumütig. Er hätte es besser wissen müssen, hier nicht entlang zu fahren, die Schilder hatten ja lange genug dort gestanden. Doch sein Navigationssystem hatte ihm angezeigt, die Ausweichstrecken seien alle voll. Nun wisse er auch wieso – wegen der Großkontrolle. Hätte doch sein Chef ihn besser vorbereitet, bedauert er.

Wieder prüfen die Beamten Fahrzeug- und Führerschein, geben seine Daten per Funk ans Kommissariat durch. Dann die Überraschung: "Alles gut. Sie können weiterfahren." Er hatte doch die Euro-Norm 6 – ohne es zu wissen, so Polizeisprecher Rene Schönhardt.

Weniger Glück hat am Ende der Fahrer eines älteren, dunkelblauen Kleintransporters mit Hamburger Kennzeichen. Sein Fahrzeug erfüllt die Stickoxid-Werte nicht. Die Beamten geben ihm eine Broschüre mit der Umgehungsroute für Diesel-Fahrzeuge unter Euro-Norm 6 – und stellen ihm den Strafzettel aus: 75 Euro Bußgeld.