War sie das, die "Stunde der Wahrheit", wie es der französische Staatspräsident Emmanuel Macron formulierte? Die große Reform, die die Währungsunion für alle Zeiten auf ein tragfähiges Fundament stellt?

Mit Sicherheit nicht – und das ist gut so.

Was Macron gemeinsam mit Angela Merkel beschlossen hat, ist ein Kompromiss. Macron wollte einen Eurohaushalt mit einem Volumen von mehreren Hundert Milliarden Euro. Merkel wollte überhaupt keinen Eurohaushalt. Ergebnis: Es gibt einen Eurohaushalt mit einem Volumen von, vermutlich, einem niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag.

Macron wollte mehr Geld, um Länder, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten, unterstützen zu können. Merkel wollte die nationalen Haushalte strenger kontrollieren lassen. Ergebnis: Künftig wird der Krisenfonds ESM ein wenig mehr Geld für Länder in Not bereitstellen und zugleich die Haushalte etwas strenger kontrollieren.

Die Eurozone wird nicht zu einem Superstaat

Die Währungsunion bekommt also ein paar zusätzliche Instrumente, damit sich die Mitgliedsstaaten gegen Krisen zur Wehr setzen können – das gilt besonders für Krisen, die einzelne Länder erfassen und gegen die die Europäische Zentralbank deshalb nicht viel ausrichten kann, weil sie ihre Zinspolitik an der wirtschaftlichen Lage in der Währungsunion insgesamt ausrichten muss. Für solche Fälle ist künftig der ESM da.

Die Eurozone wird aber nicht zur Transferunion umgebaut und schon gar nicht zu einer Art Superstaat. Sie bleibt ein Verbund vergleichsweise selbstständiger Nationen, die lediglich einen Teil ihrer nationalen Souveränität abgegeben haben und deshalb auch nur bedingt Anspruch auf Hilfe aus der Gemeinschaftskasse geltend machen können. Das hat sich in der CSU offensichtlich noch nicht herumgesprochen, anders lässt sich die Empörung über die Beschlüsse von Meseberg nicht erklären.

Wer glaubt, dass sich der Euro nur retten lässt, wenn die Euroländer einen Quantensprung in Richtung politischer Union machen, der wird von diesem Ergebnis enttäuscht sein. Doch mehr ist im Moment nicht möglich, und das liegt nicht nur an Deutschland. Auch die Niederländer, die Esten oder die Österreicher sind nicht bereit für weitreichende Reformen.

Macron ist das in den vergangenen Wochen klar geworden. Es ein Zeichen politischer Klugheit, dass er daraus die richtigen Lehren gezogen hat und nicht auf seiner ursprünglichen ambitionierten Agenda bestanden hat. Denn der Versuch, eine solche Agenda durchzusetzen, hätte unter den derzeitigen politischen Bedingungen die endgültige Spaltung herbeigeführt. Die Einzigen, die dann triumphiert hätten, wären Donald Trump und Wladimir Putin gewesen.

Es heißt, Politik sei die Kunst des Möglichen. Merkel und Macron haben das zum jetzigen Zeitpunkt Mögliche getan. Mehr geht im Moment nicht.