Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ein Ende ihrer milliardenschweren Anleihenkäufe zum Jahresende 2018 in Aussicht gestellt. Dazu will die Notenbank das Volumen der monatlichen Käufe ab Oktober zunächst von derzeit 30 Milliarden Euro auf 15 Milliarden Euro verringern. Ende Dezember könnte das Programm dann komplett auslaufen. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag bei seiner auswärtigen Sitzung im lettischen Riga, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte.  

Zugleich teilte die EZB mit, den Leitzins auf dem historischen Niedrigstand von 0,0 Prozent zu belassen. Dies werde "mindestens den Sommer 2019 über" so bleiben, hieß es. Der Einlagezins für die Banken bleibt bei Minus 0,4 Prozent.

Seit Beginn des Anleihekaufprogramms im März 2015 hat die EZB Wertpapiere im Gesamtwert von gut 2,4 Billionen Euro erworben. Mit der Maßnahme versucht die Notenbank seit Jahren, die Konjunktur in den 19 Euroländern zu stärken. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent – weit genug entfernt von der Nullmarke.

Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben. Das könnte die Konjunktur abwürgen. Im Mai stieg die Jahresinflationsrate im Euroraum nach einer ersten Schätzung des Statistikamtes Eurostat getrieben vor allem von höheren Energiepreisen auf 1,9 Prozent. 

Abgeschwächte Konjunktur besorgt EZB

Allerdings hat sich die Konjunktur im gemeinsamen Währungsraum in den ersten drei Monaten dieses Jahres abgeschwächt. Mit Sorge betrachten die Währungshüter den Handelskonflikt zwischen den USA einerseits sowie der Europäischen Union und anderen Ländern andererseits. Zollschranken könnten die Exportwirtschaft treffen. Für Unruhe sorgt auch die europakritische Koalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechtspopulistischer Lega in Italien. 

Dass die EZB dennoch das Ende der Anleihenkäufe in Aussicht stellt, hat auch damit zu tun, dass das Programm allmählich an Grenzen stößt. In mehreren großen Euroländern, darunter Deutschland, nähert sich der Anteil der von der EZB erworbenen Staatsanleihen einem Schwellenwert von einem Drittel aller umlaufenden Schuldtitel. Diese Grenze hat sich die EZB selbst gesetzt, um sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, sie betreibe Staatsfinanzierung mit Hilfe der Notenpresse.