Auch unsere Uniform ist sehr klassisch, da sitzt nichts eng. Wenn wir beim Boarding die Gäste begrüßen, gucken trotzdem alle Männer automatisch suchend auf unsere Brüste. Da sehen sie nichts. Die Bluse ist ein Zelt, der Rock steht weit ab und reicht bis kurz über die Knie. Viele der Mädels kürzen sich die Röcke und die Jungs lassen sich die Hosen und Hemden enger nähen. Wenn sie damit erwischt werden, müssen sie ein neues Set Uniform selbst bezahlen.

Hübsch aussehen ist eben nicht mein Job. Genauso wenig wie Kindergärtnerin. Wer Streit wegen der Rückenlehne hat, kommt trotzdem meistens zu mir, statt das wie ein erwachsener Mensch mit seinem Vordermann zu klären. Wenn ich den Getränketrolli den Gang entlangschiebe, recken mir Passagiere ihre benutzten Servietten und dreckigen Windeln ins Gesicht. Ich erkläre dann, dass ich keine Handschuhe trage und der Dreck nicht auf den Trolli darf. Zu Hause legen die Menschen ihren Müll auch nicht in ihren Kühlschrank.

Müsste ich auch noch Putzen und Babysitten, wäre ich eindeutig unterbezahlt: Ich verdiene rund 1.750 Euro netto. Mir reicht das gut zum Leben, weil ich unterwegs mein Essen von der Airline bekomme und Spesen für Hotels und Fahrten zum Flughafen noch dazukommen. Es ist aber kein Job, den man sein ganzes Leben lang macht. Im Schnitt bleiben Flugbegleiterinnen nur zwei Jahre bei der Airline. Mehr ist gar nicht gewünscht, neue Arbeitskräfte sind billiger. Wer zwei Jahre dabei ist, wird mit Mails bombardiert, ob er oder sie nicht vielleicht zur Kabinenleitung aufsteigen will. Entweder man macht Karriere oder hört auf. 

Bei mir ist es im Oktober so weit, mal sehen, was ich dann mache. Flugbegleiterin ist bisher der Job, bei dem ich es am längsten ausgehalten habe. Ich mag Abwechslung, und die wird mir hier geboten. Was man so über den Lifestyle sagt, stimmt alles: täglich neue Bekanntschaften, aufregende Gespräche, Reiseziele wie Japan, Sri Lanka oder die USA.

Die Idioten, die sich im Flugzeug nicht benehmen können, nehme ich dafür gerne in Kauf. Wir Flugbegleiterinnen wissen uns zu wehren. Ein Passagier aus der vordersten Reihe hat kürzlich eine Kollegin angeschrien, weil er wollte, dass sie sein Gepäck wegräumt. Also hat sie seinen Koffer genommen, ist durch das ganze Flugzeug gelaufen und hat den Koffer im allerletzten Fach verstaut.

Wer das nächste Mal kurz davor ist, eine Flugbegleiterin zu beleidigen, sollte sich daran erinnern, dass wir für die Sicherheit des Flugzeuges da sind – und notfalls auch Passagiere fesseln dürfen, wenn sie sich zu sehr aufführen.

Protokoll: Bernadette Mittermeier