Deutsche Unternehmen und Wirtschaftsverbände warnen vor weitreichenden Folgen durch die neuen US-Zölle auf Stahl und Aluminium. Der Autohersteller Volkswagen befürchtet, "dass dies den Auftakt für eine Negativentwicklung von Maßnahmen und Gegenmaßnahmen darstellt, an deren Ende es keinen Gewinner geben wird", teilte der Konzern mit. Der politische Dialog zwischen den USA und der EU sollte intensiviert werden, um nachhaltigen wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden. Eine zunehmende Eskalation schade beiden Seiten.

Zum Abbau von Handelshemmnissen würde der Konzern die Wiederaufnahme von Verhandlungen über ein bilaterales transatlantisches Abkommen zwischen der EU und den USA außerordentlich begrüßen, hieß es weiter. Die Automobilindustrie mit langfristigen Investitions-, Produkt- und Produktionszyklen sei auf verlässliche internationale Rahmenbedingungen angewiesen.

US-Handelsminister Wilbur Ross hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass die USA ab diesem Freitag höhere Zölle auf Importe von Stahl und Aluminium aus der EU erhöben. Präsident Donald Trump hatte die Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium bereits im März verhängt, die EU aber vorerst ausgenommen. Verhandlungen über eine dauerhafte Ausnahme hatten allerdings zu keinem Durchbruch geführt. Die EU kündigte umgehend Gegenmaßnahmen an, ebenso wie die nun ebenfalls von den Zöllen betroffenen US-Nachbarländer Kanada und Mexiko.

Industrie fürchtet Stahlschwemme aus China

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befürchtet ebenfalls eine Kettenreaktion. Wenn man im Zeitalter vernetzter Produktionssysteme "Instrumente aus dem 19. Jahrhundert wieder aus der Mottenkiste zieht", dann könne das die Konjunktur in Mitleidenschaft ziehen und den Welthandel insgesamt gefährden, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Volker Treier im ARD-Morgenmagazin.

Durch die Zollentscheidung würden die USA als Produktionsstandort weniger attraktiv, sagte Treier. Bis diese Erkenntnis allerdings in Washington ankomme, "vergeht anscheinend viel Zeit". Die Hoffnung, nun unter hohem Druck und "permanenten Zumutungen" mit Zugeständnissen zu reagieren und die USA so zum Einschwenken zu bewegen, trage zur Zeit nicht.

Auch der Autohersteller BMW will nun die Auswirkungen der US-Zölle auf das operative Geschäft prüfen. Derzeit bezieht der Konzern nach eigener Auskunft mehr als 70 Prozent des jährlichen Stahlbedarfs im US-Werk Spartanburg aus örtlicher Produktion. Dieser Anteil solle weiter erhöht werden.

Der Stahlkonzern Salzgitter reagierte auch umgehend. "Unsere direkte Betroffenheit ist gering", teilte das Unternehmen mit. Dennoch fordere Salzgitter von der EU-Kommission, "kurzfristig geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die EU-Stahlindustrie vor umgelenkten Stahlmengen zu schützen". Das absolute Importniveau in die EU sei bereits jetzt schon höher als in den Vorjahren. Die hiesigen Konzern fürchten, dass die US-Zölle dazu führen könnten, dass chinesische Stahlhersteller stärker auf den europäischen Markt drängen.