Wohnen wird immer teurer: In München, Frankfurt am Main, Hamburg, Stuttgart und Berlin sind die Ausgaben für eine Wohnung seit 2011 am stärksten gestiegen. Von 3.000 bis über 5.000 Euro im Jahr mussten Mieter in diesen Städten im Schnitt mehr für ihre Wohnungen bezahlen. Für Drei- und Vierzimmerwohnungen wird in deutschen Großstädten mittlerweile oft ein ganzes Nettogehalt fällig. Aber wer angesichts solcher Preise lieber auf Eigentum ausweichen möchte – sofern er oder sie dafür das erforderliche Eigenkapital aufbringen kann –, ist mit enorm hohen Grundstücks- und Immobilienpreisen konfrontiert. Denn auch die Preise für selbst genutztes Wohneigentum sind in Großstädten in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. In München, Berlin und Hamburg zahlen Erwerber heute durchschnittlich 200 Prozent mehr für eine Immobilie als noch im Jahr 2007.

Die Lage auf dem Miet- und Immobilienmarkt ist so angespannt, dass mehr Menschen Sympathien auch für illegale Antworten auf das Wohnungsproblem hegen, wie etwa Hausbesetzungen. Das gilt zumindest für Berlin, wo vor Kurzem Häuser wieder besetzt wurden: 53 Prozent der Berlinerinnen und Berliner sehen darin ein legitimes Mittel, um auf das Thema Wohnungsnot aufmerksam zu machen, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung.

Die Aktivisten wollten mit den Besetzungen in Berlin gegen die prekäre Lage am Wohnungsmarkt protestieren. Immerhin wird in Berlin zwar sehr viel gebaut, aber oft werden teure Luxusimmobilien geschaffen, die für die normale Bevölkerung kaum erschwinglich sind. Und während die teuren Eigentumswohnungen teilweise lange leer stehen, bis sie verkauft werden, steigt die Zahl der Wohnungslosen in der Hauptstadt. Zugleich locken die hohen Profite auf dem Berliner Immobilienmarkt Investoren an, die Grundstücke vor allem für Spekulationsgeschäfte erwerben und weiterverkaufen. So fehlen Grundstücke, auf denen bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden könnte.

Auch jeder vierte CDU-Wähler hat Sympathien

Die Berliner Zeitung wollte in ihrer Umfrage auch wissen, ob die Sympathisantinnen und Sympathisanten illegaler Hausbesetzungen einem bestimmten Lager zugehören. Das überraschende Ergebnis: Selbst unter den CDU-Anhängern sprach sich mehr als jeder Vierte (26 Prozent) für Hausbesetzungen aus. Besonders groß war die Zustimmung unter Wählerinnen und Wählern der Linkspartei (83 Prozent) und Anhängerinnen und Anhängern der Grünen (77 Prozent). Unter den Befragten, die sich der SPD zuordnen, befürwortete jeder Zweite Hausbesetzungen als Mittel im Kampf gegen die Wohnungsnot.  

Rein rechtlich ist die Sache klar: Wer in eine Immobilie oder auf ein Grundstück gegen den Willen des Eigentümers eindringt, macht sich nach Paragraf 123 Strafgesetzbuch (StGB) wegen Hausfriedensbruch strafbar. In der Umfrage der Zeitung sprachen sich immerhin 43 Prozent der Befragten dafür aus, dass die Polizei illegale Hausbesetzungen zunächst dulden und mit den Besetzern verhandeln sollte.

Übrigens: Für deutsche Haushalte ist die Belastung durch Miet- und Immobilienpreise nicht gestiegen. Das zeigt eine neue Auswertung von Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vorgenommen hat. Demnach ist zwar der durchschnittliche Anteil der Mietkosten seit 1996 gestiegen, aber auch die Einkommen sind heute höher: Während die Deutschen 1996 noch 20,6 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgaben, waren es im Jahr 2016 22,3 Prozent. Zu erklären ist dieser Wert damit, dass Wohnen auf dem Land und in Kleinstädten sogar etwas günstiger geworden ist. In den Großstädten dagegen geben die Menschen im Schnitt zwischen 40 und mehr als 60 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen aus.