US-Präsident Donald Trump hat offenbar eine Entscheidung über Zölle für Produkte aus China getroffen. Wie das Wall Street Journal berichtet, will Trump diesen Freitag Waren im Umfang von 50 Milliarden US-Dollar mit Importzöllen belegen. Die Entscheidung sei am Donnerstag nach Beratungen mit seinen engsten Handelsberatern gefallen. Unklar ist demnach aber, wann die Maßnahmen tatsächlich wirksam werden. Eine Bestätigung des Weißen Hauses steht noch aus.

Noch am Donnerstag hatte China das Weiße Haus vor den Zöllen gewarnt. Die Zölle waren auch Thema bei einem Treffen von US-Außenminister Mike Pompeo mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi in Peking. Pompeo erklärte, das Handelsdefizit der USA gegenüber China sei noch immer zu hoch, nannte die Gespräche aber konstruktiv. Wang Yi äußerte die Hoffnung, dass Washington "nicht weitere Hindernisse schafft".

Importzölle von 25 Prozent

Verhandlungen geführt hatten, hatte das Weiße Haus Ende Mai überraschend angekündigt, am 15. Juni eine Liste mit chinesischen Waren im Umfang von 50 Milliarden Dollar (43 Milliarden Euro) vorlegen zu wollen. Auf diese sollen Importzölle von 25 Prozent erhoben werden. "Kurz danach" sollten zusätzlich Zölle in Höhe von 25 Milliarden verhängt werden, hieß es damals. Die Regierung in Peking machte daraufhin klar, sie habe keine Angst vor einem Handelskrieg und werde mit Maßnahmen im gleichen Umfang reagieren.

Bisher war offen geblieben, ob Trump die Zölle tatsächlich am Freitag bekannt geben oder eine Entscheidung womöglich in die nächste Woche verschieben würde. Das Handelsdefizit der USA mit China ist Trump seit Langem ein Dorn im Auge. Er hatte schon im Wahlkampf angekündigt, es deutlich reduzieren zu wollen. Allein 2017 exportierte die Volksrepublik Waren für umgerechnet 303,3 Milliarden Euro mehr in die USA, als es von dort einführte. Trump will auch Pekings staatlicher Unterstützung für eigene Technologiefirmen einen Riegel vorschieben und wirft dem Land den Diebstahl geistigen Eigentums vor.

Fraglich ist außerdem, inwieweit Trumps Entscheidung seine Verhandlungen mit Nordkorea über eine eventuelle atomare Abrüstung des isolierten Landes beeinflussen wird. Peking ist der engste Verbündete Nordkoreas. Auch der Internationale Währungsfonds hatte vor negativen Auswirkungen von Trumps Vorgehen in der Handelspolitik gewarnt. Die deutsche Wirtschaft fürchtet, von den US-Zöllen auf chinesische Produkte empfindlich getroffen zu werden.